„Homogenes Bauen als archetypische Erfahrung, das ist die direkte Umsetzung einer Idee in einen Gegenstand, in Volumen und Raum. Es ist eine alte mediterrane Vorstellung: le jeu savant des volumes sous la lumière. Da ist der Bau aus Stein, aus Ziegeln, aus Lehm. Es geht nicht um das nordische Gewinde aus Stöcken und Ruten, das mit Lehm bestrichen zur Wand wird, sondern um die solide Mauer, nicht um das Zusammengesetzte, sondern um das Monolithische. Bilder tauchen auf: die Paläste von Saana, die weissen Kuben der Ägäis, im Norden St. Philibert in Tournus, le Thoronêt – und dann La Tourette im Burgund. Damit ist das Material genannt, das dem Gedanken der Materialeinheit, der Materialkontinuität von innen nach aussen so gut entgegenkommt. Es ist der Beton, genauer gesagt – und das hat mit unseren Breitengraden zu tun – der Dämmbeton.“ (1)
Seit der Einführung von Wärmeschutzvorgaben in den 1970er Jahren entwickelten sich Außenwände von einfachen Bauteilen zu komplexen, vielschichtigen und nicht selten bauphysikalisch fragilen Konstruktionen. Bauschäden durch Planungs- und Verarbeitungsfehler sind in diesem Zusammenhang keine Seltenheit. Unabhängig davon existieren Tendenzen zu formal reduzierten Gebäuden, der ästhetische Trends zur Einfachheit (bis hin zum Minimalismus) in der Erscheinung eines Gebäudes.
Diesen Ansätzen widersprechen auf konstruktiver Ebene häufig die eingesetzten aufwendigen Detaillösungen. Eine Vereinfachung des Bauens erscheint vor diesem Hintergrund erstrebenswert. Eine Reihe in den letzten Jahren realisierter Bauprojekte bildet den Nachweis für die technische Machbarkeit auch angesichts der heute gültigen rechtlichen Anforderungen.
Der Schwerpunkt „Monolithisch Bauen“ sieht eine 15-teilige Reihe an Fachartikeln, -kommentaren und -interviews vor. Neben der Vorstellung ausgezeichneter Bauten in einschichtiger Bauweise sollen Einblicke in den aktuellen Stand der Forschung, Interviews mit Zuständigen aus der Industrie und Bauwirtschaft etc. präsentiert werden.
(1) Jaques Blume, Geleitwort in Patrick Filipaj: Architektonisches Potential von Dämmbeton, Vdf Hochschulverlag, 2. Aufl., Zürich 2010