01/02/2024

Architekt Wilhelm Scherübl Jr. veröffentlicht in regelmäßigen Abständen architektonische Utopien, die Zitate aus der aktuellen Medienlandschaft zum Ausgangspunkt haben. Text und Visualisierungen sind in Co-Creation mit KI entwickelt.

01/02/2024

Image 001: Style based on Image from the NZZ Article, Multiple Variations

©: Wilhelm Scherübl

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©: Wilhelm Scherübl

WIR waten durch salziges Wasser. Die klimmende Sonne lässt Salzkristalle an den Objekten entstehen, die noch über den Wasserspiegel ragen. Die Luft ist trocken und das Salz brennt in der Nase. Hier und da haben sich widerstandsfähige, mangrovenartige Pflanzen angesiedelt, und es wirkt so, als hätten sie die Plätze alter Bäume und Sträucher eingenommen, die hier vor der Flut wuchsen. Die Pflanzen schlängeln sich an den Wänden der halb im Wasser versunkenen Häuser hoch. Durch den wechselnden Meeresspiegel zeichnen sich die Wasserstände an den Fassaden ab – ähnlich den Zeiten unserer Jugend, als wir am Türrahmen das Wachstum vermerkten. Hier freute sich jedoch niemand über ein paar Zentimeter mehr. Anfangs konnte man sich noch durch das bei Flut steigende Wasser bewegen, doch irgendwann nahm es immer mehr vom Land ein.

Weswegen die Ebbe die einzige Gelegenheit bietet, diesen Teil Amerikas zu besuchen. Ein begrenztes Zeitfenster erlaubt einen Einblick in die Vergangenheit, mit ihren Widersprüchen, zwischen drohender Katastrophe und politischer Einstellung von einst. Die Menschen wussten, wohin ihr Handeln führen würde, blendeten es jedoch geschickt aus. Die Fassaden dokumentieren nicht nur den Meeresspiegel, viele tragen auch Botschaften wie: "Do not trust scientists, the climate crisis is not real!" Daneben kleben Wahlkampagnen für konservative Parteien und deren Kandidat*innen.

Überreste eines ehemaligen Amerikas treiben mehrmals im Wasser vorbei. Die Häuser sind geschmückt mit zerrissenen und wetter gegerbten Flaggen, die auf die Einstellung der früheren Bewohner*innen schließen lassen. Der MAGA-Sticker an einer umgekippten Straßenlaterne bringt uns im Vorbeifließen zum Schmunzeln. Wie großartig ist Amerika hier jetzt noch?

Der gesamte Ort ist ein Mahnmal für diejenige Situation, in der WIR uns befinden – verlockt von Machthaber*innen und ihren manipulierenden Worten. Die populistischen Themen durchzogen die öffentliche Aufmerksamkeit, um von den wirklich relevanten Dingen abzulenken, die die Menschheit langfristig beeinflussen.

Mit dem Untergang der Insel begannen auch diese Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft zu verschwinden. Im Laufe der Zeit, als es längst zu spät war, um etwas zu ändern, begannen die Menschen, ihre Taten zu bereuen und nach Lösungen zu suchen. Leider blieb der Erfolg aus; der Meeresspiegel stieg an und verschlang Straßen, Gärten und Häuser, sowie die Ideologie derer, die die Veränderungen leugnen. Wie einst ihre Ideen das Land überfluteten, tat dies nun das Wasser.

Das Ansteigen konnte nicht verhindert werden, jedoch bildeten sich Zusammenschlüsse und neue Siedlungen, die diejenigen aufnahmen, die vor dem Wasser flohen. Neue Gemeinden entstanden, in denen weiterhin heftig darüber diskutiert wird, was WIR hätten ändern und was WIR jetzt noch verhindern können, um weitere Katastrophen abzuschwächen oder abzuwenden.
 

 

____Informationen

Textlektorat und -variationen unter Verwendung von ChatGPT
Images generiert mit Midjourney, Adobe Firefly und in Photoshop bearbeitet.

Image 001: Style based on Image from the NZZ Article, Multiple Variations /  prompt: House flooded, nationalist graffiti on the wall, election campaign poster, america flag, patina facade, dirty, dystopian --ar 3:4 --chaos 20

Image 002: Style based on Image 1 / Multiple Variations / prompt: tombstones floating in water, --ar 3:4 --chaos 25

_____Zitat

“Die Insel der Klimaskeptiker versinkt im Meer”
 

____Quellen

Viren aus dem Permafrost könnten Gefahr für neue Pandemien bergen

Bangen um die Häuser in Grindavik (ZIB)

Symbolische Weltuntergangsuhr: Forscher warnen vor Katastrophe

Umwelttragödie befürchtet: Im Nordosten Brasiliens droht eine Salzmine einzustürzen. Dadurch würde eine riesige Menge Salz ins Meer gelangen. Das hätte drastische Folgen für das Ökosystem. Der Notstand wurde ausgerufen, tausende Familien in Sicherheit gebracht.

Inselstaat droht zu versinken: Australien bietet an, die Einwohner:innen der pazifischen Inselgruppe Tuvalu als Klimaflüchtlinge aufzunehmen. Tuvalu ist eines der am stärksten vom Klimawandel bedrohten Länder weltweit.

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