20/01/2026
Man ist es gewohnt, dass Institutionen Programme bieten und damit ein Publikum ansprechen, welches dann zahlreich oder weniger zahlreich erscheint und am Ende mit dem Daumen nach oben oder nach unten zeigt. 
Wenn eine Institution sich aber nicht als Haus mit Programm versteht, sondern elementare Infrastruktur werden will, verspricht sie viel, kann sich aber einiger Neugier und Beteiligung sicher sein. 
 
Seit 2025 positioniert sich das Haus der Architektur in Graz als offenes Produktionsfeld für architektonisches Denken, kollektives Arbeiten und öffentliche Aushandlungsprozesse. Ausgehend von einem bereits im vergangenen Jahr realisierten Open Call, unterstützt von einer vielschichtigen institutionellen Struktur und geprägt von neuen Arbeitsweisen, verschiebt das Leitungsteam den Fokus auf Prozesse, Netzwerke und Fragen der gesellschaftlichen Wirksamkeit von Architektur. Das ist, schaut man sich in der aktuellen europäischen Architekturszene um, gelebte Praxis. Open Calls bilden seit geraumer Zeit die Struktur für offenere und agile Netzwerkarbeit und rütteln damit kräftig an veralteten Hierarchien. 
 
Das Jahr 2026 steht im Haus der Architektur weniger für ein kuratiertes Programm als für eine Haltung, die sich durch Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Partnerinnen und Partnern herauskristallisieren soll. 
Was uns erwartet, ist eine Einladung zur Interaktion, anstelle der latent passiven Publikumsrolle. Die Basis dafür: Architektur als interdisziplinäre Praxis, verankert im lokalen Kontext und zugleich international vernetzt.
 
20/01/2026

Der Ausstellungsraum des HDA am Südtiroler Platz in Graz.

©: Thomas Raggam

Das HDA am Südtiroler Platz in Graz

©: J.J. Kucek

Mit einem breit gefächerten Programm, einer klaren Öffnung und einem deutlich gestärkten Netzwerk beginnt das Haus der Architektur das Jahr 2026.

Was uns erwartet?

In Summe geht es interdisziplinärer vor und mit großer Neugier auf sein eigenes Umfeld zu. Man ist aufmerksam für sein Publikum, offen für neue Allianzen und mit dem Anspruch, Architektur als gesellschaftlich wirksame Praxis sichtbar zu machen, unterwegs.

 

Open Call als programmatische Basis

Ein Open Call 2025 für das Programm 2026 brachte beeindruckende Zahlen hervor: 94 beteiligte Personen, 37 Einreichungen und für und aus dem Call entwickelt 23 Ausstellungen, 14 Veranstaltungen, sieben Publikationen, acht Installationen, ein Workshop-Format, eine Exkursion, eine Intervention und ein Forschungsprojekt. Die Bandbreite der Beteiligten – Institutionen, Vereine, Architekturbüros und Einzelpersonen – verdeutlicht die Heterogenität des Verfahrens.

Im Rahmen eines „Open Hauses“ wurden ausgewählte Protagonist*innen aus dem Kreis der Einreichenden eingeladen und aktiv in die Programmgestaltung eingebunden. So finden sich im Programm 2026 zahlreiche Einflüsse wieder, auch wenn die eingereichten Vorschläge nicht in ihrer ursprünglichen Gesamtheit umgesetzt werden. 
Der gemeinsame Erarbeitungsprozess verdeutlicht, dass Architektur zunehmend interdisziplinär entsteht, meist im lokalen Kontext verankert ist und eng mit anderen Planungsdisziplinen, geisteswissenschaftlichen Fragestellungen und vielfältigen gestalterischen Ansätzen verwoben bleibt.

Die vier im Open Haus formulierten Themenfelder – Wohnen & Care, Umbau & Ressourcen & Bestand, Raum & Macht sowie Urbanismus – werden dabei bewusst als offene Arbeitsfelder verstanden, die zur Weiterentwicklung einladen.

 

Ausstellungen und Programmhöhepunkte

Ein erster zentraler Höhepunkt im Februar 2026 ist die Ausstellung zum Architekturpreis des Landes Steiermark. Die Architekturausstellung „The Prize Bag: The Double Lives of Architecture“, realisiert in Zusammenarbeit mit dem Istanbuler Architekturstudio SO?, rückt das Preiswesen selbst in den Fokus. Begleitet von einer Publikation untersucht sie Wirkung, Wert und Mechanismen von Architekturpreisen: Wer profitiert, wie werden Preise inszeniert und welche Rückwirkungen haben sie auf Praxis und Öffentlichkeit? 
Trotz dieser Metaebene stehen konkrete Bauten im Mittelpunkt, realisierte Architektur in der Steiermark, ausgewählt nach intensiven Jurierungsrunden vor Ort. Erwähnenswert ist zudem, dass erstmals seit acht Jahren wieder eine Ausstellung zum Architekturpreis Steiermark im HDA realisiert wird. In diesem Zusammenhang erscheint – initiiert durch den 2025 verstorbenen Heinz Rosmann – das Architekturjahrbuch Graz Steiermark.

 

Architekturtage und neue Arbeitsmodelle

Als koordinierende Partner der Architekturtage 2026 vom 28. bis 30. Mai begrüßen Zerina Džubur und Karin Oberhuber ausdrücklich das diesjährige Thema „Was uns verbindet – Infrastrukturen des Alltags“. Bewährte Formate wie Open Studios und Bustouren durch die Steiermark werden fortgeführt. Neu ist eine Kooperation mit dem Haus der Architektur Kärnten: Eine Exkursion unter Nutzung der Koralmbahn, verbunden mit einem Fest in Graz, erweitert den regionalen Horizont.

Im Rahmen der Architekturtage wird auch der Wandel der Berufsbilder sichtbar. Klassische Bürostrukturen sind für Absolvent*innen und jüngere Generationen kein zwingendes Modell mehr; digitale, kollektive und kooperative Arbeitsweisen stellen tradierte Planungsmodelle konstruktiv infrage. Diese Haltung vertreten zwei am Open Call beteiligte Kollektive: CIRCA aus Graz/Wien und das Asphalt Kollektiv aus Wien. Beide thematisieren Bauteilwiederverwendung im urbanen wie ländlichen Raum, Citizenship im Zusammenhang mit Planung und Umsetzung sowie analoge, sinnlich-poetische Aspekte als Resonanzräume aktueller Debatten.

Unter dem Titel „StadtAbdrücke“ initiiert CIRCA Workshops, Vorträge und ein Symposium zur Umbaukultur. Gemeinsam mit dem Asphalt Kollektiv entsteht eine Plattform für Diskussion und Vernetzung. Im Haus der Architektur plant CIRCA zudem einen temporären Werkraum, in dem Fotografien und künstlerische Abstraktionen Orte im Wandel untersuchen und neu bewerten. Das Programm startet zu Jahresbeginn und wird bis Mai 2026 weiterentwickelt.

 

Internationale Perspektiven: LINA Plattform

Ein weiterer Schwerpunkt ist ein EU-Projekt im Rahmen der LINA Plattform, einem Zusammenschluss der 40 wichtigsten europäischen Architekturinstitutionen. Die Plattform fördert internationalen Austausch und Zusammenarbeit, ein Mehrwert, von dem das Haus der Architektur laut seiner inhaltichen Leitung Zerina Džubur stark profitiert. 2026 widmet man sich einem Projekt der Architektur der Moderne in Bosnien und Herzegowina. Koordiniert von Nelly Sanjta, rückt ein zentrales Gebäude in Sarajevo in den Fokus. Filmische Arbeiten, eine Summer School, eine Publikation und eine Exkursion nähern sich dem architektonischen Erbe ebenso wie den gesellschaftlichen Kontexten. Die Kooperation erfolgt mit der Architektur­fakultät der Universität Ljubljana.

 

Holzbau, Preise und Kontinuität

Im Herbst eröffnet die Ausstellung MENSCH.ORT.HAUS.VERSTAND. Kuratiert von Eva Hierzer und Professor Tom Kaden, setzt sie sich anhand von acht realisierten Projekten mit zeitgenössischem Holzbau auseinander. Die gemeinsam mit Studierenden der TU Graz entwickelte Ausstellungsarchitektur vermittelt multimedial ökologische, konstruktive und kulturelle Dimensionen des Holzbaus. Die Ausstellung wurde 2025 im Kunsthaus Mürz gezeigt und für das Haus der Architektur adaptiert.

Es folgt die Ausstellung der Preisträger:innen des Bauherr:innenpreises mit begleitenden Veranstaltungen; der Bauherr:innenpreise 2026 wird im Spätherbst feierlich im Haus der Architektur verliehen. 

Mit „Licht Luft Sonne Kunst“ ist zudem erstmals seit elf Jahren das Künstler:innen Kollektiv zweintopf zu Gast. Lokale Künstlerinnen präsentieren Werke, die vom Publikum für ein Jahr ausgeliehen werden können und schaffen einen niederschwelligen Zugang zu Kunst und Architektur im Dialog.

Neben den neuen Formaten bleiben Reihen wie Stadtdialog, Beiträge im Rahmen des steirischen herbst sowie die Arbeit am Archiv Steirischer Architektur in Kooperation mit nextroom fixer Bestandteil des Programms. 

Fördergeberinnen wie das Land Steiermark, die Stadtbaudirektion Graz und die ZT Kammer Steiermark Kärnten sowie Sponsor:innen wie Gaulhofer, proHolz Steiermark, sto GesmbH, XAL, Weingut Muster Gamlitz und Mayr Melnhof Holz bilden eine stabile Grundlage für das Vorhaben, das inhaltlich wie strukturell neue Wege beschreitet.

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