Der Nordwestbahnhof als Reallabor
Das rund 40 Hektar große Areal des ehemaligen Nordwestbahnhofs zählt zu den bedeutendsten Stadtentwicklungsgebieten Wiens. 1872 wurde der Nordwestbahnhof als Endbahnhof der Kaiser-Ferdinands-Nordwestbahn eröffnet und entwickelte sich rasch zu einem der wichtigsten Güterverkehrsknoten Wiens. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb das Areal vor allem dem Güterumschlag vorbehalten, verlor jedoch mit der Verlagerung logistischer Funktionen zunehmend an Bedeutung. Bevor hier ein neues Stadtquartier mit 6.500 Wohnungen entstehen wird, nutzt Tracing Spaces. Institut für künstlerische und wissenschaftliche Forschung Teile der Brache als kulturelles Experimentierfeld. Mit Interventionsorten wie dem Museum Nordwestbahnhof und dem Pocket Park Nordwest, wo temporäre Ausstellungen, Spaziergänge und Führungen sowie künstlerische Installationen mit Forschungs- und Vermittlungsformaten stattfinden, macht der 2012 von Michael Hieslmair und Michael Zinganel gegründete Verein bereits seit mehreren Jahren Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Areals für die Öffentlichkeit interaktiv erfahrbar – jetzt seit neuestem auch als Golfplatz.
Was ist Urban Cross Golf?
Wer nun jedoch an geschniegelt gekleidete Golfer:innen, makellose Fairways, Golfcarts und exklusive Clubhäuser denkt, liegt falsch. Urban Cross Golf (auch Crossgolf oder Urbangolf) verlegt das Spiel in den öffentlichen Raum, dorthin, wo sonst kaum jemand spielt – auf Brachen, in ehemaligen Industriearealen oder im Stadtraum. Gebäude, asphaltierte Flächen und Geländestrukturen ersetzen Fairways und Bunker und machen jede Runde einzigartig. Verwendet werden handelsübliche Schläger und Bälle, die Regeln sind flexibel, gespielt wird mit möglichst geringem Risiko für Menschen und Umgebung.
Wie funktioniert der Parcours?
Von Loch zu Loch und Station zu Station führt der Parcours durch die Geschichte des Ortes und macht Themen wie Entsiegelung, Kreislaufwirtschaft, Biodiversität, Denkmalschutz und Zwischennutzung unmittelbar erfahrbar. Jede der bisher zehn Bahnen erzählt dabei eine eigene Geschichte auf sorgfältig illustrierten Einführungsplättchen – weitere sind in Planung.
"Ausgehend von der Museums-Tankstelle führt ein visuelles Leitsystem die Spieler*innen zu unterschiedlichen Stationen, durch die Werft im Pocket Park Nordwest, zu noch verbliebenen Bauwerken am Areal, Relikten der lokalen Bahnhofsgeschichte aus der Sammlung des Museum Nordwestbahnhof, zu Modellen von Best Case Beispielen für Kreislaufwirtschaft und minimal invasive Sanierungen, zu einem Sandbunker aus Donau-Sedimenten, vorbei an Teichen aus gesammeltem Regelwasser, zu Aussichtsplattformen die den Blick auf Kleinbiotope und Schutzzonen für bahnhofsbrachen-typische Pflanzen und Tiere lenken. Alle Interventionen heben gleichzeitig die Aufenthaltsqualität für die Besucher*innen und stehen als Orte der Kontemplation oder Interaktion bereit."
Öffnungszeiten – Voraussichtlich noch bis Ende August!
Donnerstag, Freitag und Samstag jeweils von 15 bis 20 Uhr.
Informationen
Der Parcours ist offen für alle Altersstufen. Es sind keine Vorkenntnisse erforderlich. Kurze Einführung, Ausgabe von Bällen und Schlägern gegen Kaution an der Museumstankstelle, Getränke und Snacks gegen freiwillige Spende.
Parallel dazu haben auch immer das Museum Nordwestbahnhof und die Info-Austellungen von ÖBB und MA21 zur Zukunft des Areals geöffnet.