03/03/2011
03/03/2011

Neugestaltung Steinfeldfriedhof, Graz. Planung / Schaubild Hofrichter-Ritter Architekten, Graz.

Neubau Einsegnungshalle Steinfeldfriedhof, Graz. Planung / Schaubild Hofrichter-Ritter Architekten, Graz.

Schaubild, Innenraum; die Einsegnungshalle ist Aufbahrungsraum und Einsegnungsraum in einem. Planung / Schaubild: Hofrichter-Ritter Architekten, Graz

Einsegnungshalle, Innenraum; aufgrund erhöhter Nachfrage bietet eine multimediale Ausstattungen die Gelegenheit einer sehr individuellen Gestaltung der Verabschiedungszeremonie. Planung / Schaubild: Hofrichter-Ritter Architekten, Graz

Neugestaltung Steinfeldfriedhof Graz, Grundriss Gesamtanlage. Planung: Hofrichter-Ritter Architekten, Graz

Am Montag, dem 28.02.2011 erfolgte der Spatenstich zur Neugestaltung des Steinfeldfriedhofs Graz. Für die Planung zeichnen Hofrichter-Ritter Architekten verantwortlich. Bereits zu Allerheiligen, also in acht Monaten, sollen die neuen Anlagen am Steinfeldfriedhof ihrer Funktion übergeben werden. Träger des Baus ist die Stadtpfarrkirche Graz. Für das Projekt sind 1,35 Millionen Euro einschließlich der Subventionen der Stadt Graz veranschlagt.

Vor 226 Jahren hat die Stadtpfarre das Areal des Steinfeldfriedhofs als Begräbnisplatz für die Bewohner des Grazer Wohngebietes auf dem rechten Murufer angekauft. Der Friedhof wurde in den Jahren 1786 bis 1787 angelegt und wie ein Garten mit einem Holzzaun abgegrenzt. Ein bestehendes kleines Haus wurde dem Totengräber zugewiesen – als Wohnung, Gerätehaus und Totenkammer. Der Totengräber durfte Kleinvieh halten und das Gras aus dem Friedhofsareal nutzen. War der Friedhof zunächst durch einen Holzzaun abgegrenzt, wurden im Verlauf des 19. Jahrhunderts vermehrt von begüterteren Grazer Familien an den Außenseiten gemauerte Grabstätten errichtet, die damit auch eine Friedhofsmauer entstehen ließen. Die Stadtentwicklung machte es notwendig, dass der Steinfeldfriedhof wiederholt vergrößert werden musste. Er lag zunächst ziemlich weit außerhalb der Stadt. Durch die Industrialisierung, die Anlage von zwei Bahnsträngen – der Graz-Köflacher-Bahn und der Südbahn Wien-Triest - und schließlich durch die Errichtung von Wohnanlagen östlich der Südbahn wurde er von der Stadt eingeholt. Im Zweiten Weltkrieg erfuhr der Friedhof große Verwüstungen, viele Grabstätten – auch die Bischofskapelle – wurden von Bomben getroffen und zerstört. In den 1970er-Jahren konnte ein neues Friedhofsbetriebsgebäude und eine Einsegnungshalle errichtet werden. Seit Jahren ist die Anlage bereits sanierungsbedürftig. Durch die Planungen für eine Hochleistungsstrecke der Bahn und der damit verbundenen Errichtung einer Unterführung und Neuausrichtung der Straßen hat sich die Sanierung etwa zehn Jahre verzögert.

Die alten Anlagen - Aufbahrungshalle und Friedhofsverwaltungsgebäude - werden nun abgerissen und stattdessen nach Plänen von Hofrichter-Ritter Architekten zeitgemäße Friedhofseinrichtungen, ein Urnenhain und eine modern gestaltete Einsegnungshalle errichtet, die in ihrer Form zwei aufnehmenden Händen gemäß dem Bibelzitat „Vater, in Deine Hände lege ich meinen Geist“ Lk 23,46 entspricht.
Die Einsegnungshalle bietet – je nach Bestuhlungsvariante – ca. 90 Personen Platz. Durch die Öffnungsmöglichkeiten an der Glaswand im Norden und der großzügigen Dimensionierung des Hallenvorplatzes sind in Sonderfällen auch größere Begräbnisse möglich. Auch kulturelle Veranstaltungen können hier stattfinden. Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisen, sind im Ostteil der Halle die notwendigen Neben- und Serviceräume untergebracht. Sie werden von einer straßenbegleitenden Wand gefasst, die auch zur Südbahn den notwendigen Schallschutz gewährleistet. Diese weitergeführte Wand definiert nach Süden einen Grünbereich, in dem ein Urnenhain, eine Urnenwand und Urnengräber Platz finden. Direkt am Vorplatz finden sich Serviceeinrichtungen wie, Blumengeschäft, Steinmetz und ein öffentliches WC.
Das neue Friedhofscenter wird Menschen aller Konfessionen und auch jenen ohne Konfession zur Verfügung stehen.

Als einen „längst fälligen Schritt, um hier einen würdigen Ort für die Verstorbenen zu schaffen“, bezeichnete Bauherr Stadtpfarrpropst Dr. Heinrich Schnuderl den Umbau. Über die Jahre nagte der Zahn der Zeit an den Anlagen am Steinfeldfriedhof, die zudem den geänderten Bedürfnissen der Menschen nicht mehr gerecht wurden. Weiteren dringenden Handlungsbedarf stellt der stv. Wirtschaftsrat der Stadtpfarrkirche Graz, Johann Frühstück, fest: Er fordert die Anbindung des Friedhofs an den öffentlichen Verkehr, die dringende Errichtung einer öffentlichen WC-Anlage sowie die Änderung der Einbahnregelung. Er hofft auf das Entgegenkommen der Stadtverwaltung, mit der Gespräche laufen, und dankt der Stadt für die bereits neue Bewirtschaft der Parkplätze vor Ort.

Verfasser/in:
Redaktion GAT Graz Architektur Täglich
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