Aus über 160 Projekten weltweit wurden die Architektin Ulrike Schartner und Architekt Alexander Hagner mit ihrem Team Laura Jager, Iris Kato und Alexander Pichler aufgrund sozialer und ökologischer Exzellenz ihres Projekts ausgewählt. Gerade die nicht kommerzielle Ausrichtung und die Qualität der entwickelten Architektur, die Probleme einer Randgruppe löst und Raum abseits von Verwertungs- und Leistungslogik schafft, haben die Jury überzeugt.
Die mit Joumana El Zein Khoury, Andrés Jaque, Mariam Isoufou, Floris Alkemade, Anupama Kundoo und Loreta Castro Reguera hochkarätig besetzte Jury des Awards begründet ihre Entscheidung mit den grundlegenden Ansätzen des Projekts, benachteiligten Gruppen eine Perspektive und obsoleten ländlichen Strukturen eine neue Funktion und Bedeutung zu geben. „VinziRast am Land erhält den Preis für soziale Architektur für seinen innovativen Ansatz zur Unterbringung benachteiligter Gruppen, darunter Obdachlose, unter Wiederverwendung bestehender Gebäude und ländlicher Strukturen. Das Projekt geht das dringende Problem bezahlbaren Wohnraums auf bescheidene, aber tiefgreifende Weise an und zeigt, welche wichtige Arbeit Architekten leisten können, wenn es keine kommerziellen Anreize gibt. Mit großem Feingefühl verwandelt gaupenraub+/– ein ehemaliges Luxushotel in eine Wohngemeinschaft, die sowohl Wohnraum als auch Möglichkeiten zur Wiedereingliederung und Inklusion bietet. Das ist Architektur als soziale Praxis: bescheiden im Ausdruck, aber radikal in ihrer Wirkung. Seit über zwei Jahrzehnten befasst sich gaupenraub+/– mit der Wohnungskrise in Europa durch fundierte, sozialbewusste Projekte wie VinziRast-mittendrin und VinziDorf Wien, neben Arbeiten zu zirkulärem Bauen, Permakultur und Demenzpflege. Durch die Kombination von Wiederverwendung, Partizipation und lokalem Wissen zeigt ihre Architektur, wie Design komplexe ökologische und gesellschaftliche Herausforderungen angehen kann – still, aber kraftvoll.“
Mit 150.000 € Preisgeld ist der Award einer der höchstdotierten Architekturpreise international und will die Weiterentwicklung sozial-verantwortlich umgesetzter Architektur ermöglichen. Die Suche und Auswahl potenzieller Projekte erfolgt in sechs Regionen: Afrika, Asien, Europa, Nord- und Mittelamerika, Südamerika sowie Südostasien und Ozeanien. Dadurch soll sichergestellt werden, dass vielfältige Architekturpraktiken aus verschiedenen Regionen der Welt gleichermaßen berücksichtigt werden.
Ulrike Schartner und Alexander Hagner möchten den Award besonders nutzen: „Wir wollen das Preisgeld dazu verwenden, unsere Expertise in der Anwendung und Vermittlung von Architektur gegen Marginalisierung und für ein besseres Miteinander in einer zunehmend inhomogenen Gesellschaft noch mehr einzubringen."