In dieser Folge kommt mit Dr. Bonaventura Konstantin Hödl eine außergewöhnliche Persönlichkeit ins Spiel; zusammen mit seiner Frau Karoline (manchmal auch Caroline geschrieben), geborene Friedrich, hat der „Hof- und Gerichtsadvocat“ vor mehr als 200 Jahren den Grundstein für die späteren Schloßberganlagen gelegt, und das in einer Zeit großer materieller Bedrängnis, die ihn letztlich in den Ruin trieb. Hödl war zwar bis zu seinem Tod noch Untertan von Grundherren (der Landstände und von Jérôme, Fürst von Eggenberg) aber auch gewitzter Rechtsanwalt, Agrarökonom, Bergbauunternehmer, Kunst- und Naturliebhaber und Utopist, seine Frau Karoline seine tatkräftige Partnerin, die für viele Jahre die Verantwortung übernahm.
Obwohl auch diese Folge von Schau doch! dem neu erstehenden Schloßberg gewidmet ist, möchte ich zuerst die wirtschaftlichen Unternehmungen der Hödls kurz beleuchten, denn erst dadurch wird verständlich, wie vielseitig ihre Interessen und Fähigkeiten waren.
Das in den letzten Jahren gesammelte Material hat mir gezeigt, dass sich Einiges ganz anders zugetragen hat als die bisherige Forschung darstellte; so sind offenbar die Grundbücher der „Gült Landhaus“ und der KG Bodenfeld nicht gefunden oder nicht zu Rate gezogen worden. Vieles ist zu ergänzen, und nicht alle Hintergründe waren zu klären. Vielleicht wird sich ein ausführlicher Beitrag in geeignetem Rahmen publizieren lassen. Hier will ich versuchen, mich auf die wichtigsten Erkenntnisse zu beschränken und auch auf die Forschungsgeschichte zu verzichten.
Erstes Erscheinen in Graz
Bonaventura Konstantin Hödl wurde 1776 im Schweizer St. Gallen geboren. Erstmals trat er 1807 im Alter von 31 Jahren ins Licht der Grazer Geschichte, denn am 1. September kaufte er das „Canzleykapellenhaus“ in der heutigen Bindergasse 8 und ließ es umgestalten (Bild 2). Vielleicht stammt die antike, liegende Figur über dem zentralen Fenster im zweiten Obergeschoß aus seiner Terrakotten-Werkstatt. Obwohl Hödl das Haus schon 1815 für 32.333 fl. (Gulden) verkaufte, wurde Hödl erst ab 1824 in der Bürgergasse Nr. 28 (heute Nr. 3), ab 1842 in der Bürgergasse 35 (heute Nr. 4) als wohnhaft genannt.
Wie Hödl in einer Eingabe von 1823 erklärt, hatte er im Staatsbankrott von 1811 durch übernommene Schuldenposten 119.000 fl. in Bancozetteln verloren, später als Pächter der „Eggenberger Natural-Eindienung“ den Untertanen auf die dem Grundherrn zu leistenden Natural- und Geldabgaben über 40.000 fl. erlassen und nachher „durch verschiedene Agrarverhältnisse, namentlich Sinken des Kornpreises, die große Summe von mehr als 80.000 fl. eingebüßt“.
1812 wurde Hödl erstmals, 1848 letztmals als Hof- und Gerichtsadvocat genannt. Von 1817 bis 1848 wurde Hödl auch als Mitglied der „k. k. Landwirthschafts-Gesellschaft“ geführt, er war auch im „Industrie- und Gewerbeverein für Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg“.
Im „Schematismus für Steyermark und Kärnten“ von 1813 wurde er als Besitzer eines Gartens in der Zinzendorfgasse Nr. 614 beschrieben, den ich südlich der späteren Benedek-Villa in der Beethovenstraße 6 orte. Dort soll er einen Obelisken aus Holz erbaut haben, zu dessen Spitze eine Innenstiege führte.
Hödls Frau Caroline erschien im Juni 1818 und im Juli 1820 unter den Kurgästen der ersten Häuser in Baden bei Wien, im Juni 1833 mit Tochter.
Das Jahr 1820 wurde zum Schicksalsjahr für das Ehepaar Hödl, denn fast gleichzeitig begann es mit zwei großen Unternehmungen: In der Alten Poststraße wurde ein Ziegelofen gebaut und am Schloßberg werden die ersten Anlagen auf den ersteigerten Parzellen geplant. Beide „Baustellen“ werden von den künstlerischen Ambitionen des Advokaten zeugen, dem die Architektur der Antike offenbar am Herzen lag.
Hödls Ziegelofen in der Alten Poststraße
Hödl besaß lt. Bauparzellenprotokoll zum Franziszeischen Kataster 1829 in der KG Algersdorf drei Grundstücke am Plabutschhang südlich des ehemaligen Steinbruchs (Bild 3); hier hat Hödl jene 12 Fundstücke ergraben, die er 1826 dem Joanneum überließ: Streitbeile, Lanzen, Schwerter, Dolche und Sicheln, großteils aus Bronze, zu einem geringen Teil auch aus Eisen, aus der frühen Urnenfelderzeit um 1100 v. Chr..
Im Juni des Jahres 1819 ersteigerte Hödl mit einem Meistbot von 2700 fl. W. W. zwei Äcker der östlich seiner Algersdorfer Gründe gelegenen KG Bodenfeld, einen dritten hat er dem Bauern Johann Schalk abgekauft. Im Juli des folgenden Jahres hat er dann das Gesuch eingereicht, auf seinem Grund einen Ziegelofen anlegen zu dürfen.
Schon im November des gleichen Jahres zeigte er der Regierung an, dass er bereits „169 Gattungen Ziegel und alle Arten von Terracotten: Bauornamente und figurale Gegenstände“ erzeugen könne (Wastler glaubte, in einem Versuchsofen). Er ersuchte um ein „Privilegium auf seine Lehmproduktenfabrikate“ und eine Staatsunterstützung von 10.000 fl.. Ersteres bewilligte, letztere versagte die Regierung mit der Bemerkung, bis erst dauernder Erfolg zu gewärtigen sei.
So musste Hödl am 1. Februar 1821 zu Gunsten von Joseph Fürst Schwarzenberg eine Schuldverschreibung in Höhe von 6000 fl. Wiener Währung ausstellen, die er von diesem „zur besseren Emporbringung meiner Ziegelbrennerey“ erhalten hatte. Als Sicherstellung „besagten Kapitals und der Interessen verpfände ich all mein Haab und Guth überhaupt, und insbesondern meine der löbl. Landschaft unterstehenden vorhin Panzerische, nun auf meinen Nahmen geschriebenen Bodenfeldäcker zu Leuzenhof mit alldarauf errichteten Ziegelfabriks- und anderen Gebäuden.“
In der Folge werden weitere, teils beträchtliche Schuldverschreibungen im Landtafel-Grundbuch Leuzenhof intabuliert. Hier sehen wir wohl den ersten Einschnitt in den Hödlschen Schicksalen, denn am 14. April 1821 übernahm Karoline Hödl – wohl vorsorglich – alle bisher erworbenen Schloßberganteile von ihrem Mann!
Am 16. Juni 1822 erhielt Hödl auf fünf Jahre das folgende Patent: Ziegel-Erzeugung für das Baufach, welche, nebst mehreren andern Vorzügen, besonders für ebene Decken und flache Gewölbe geeignet sind (sie werden auch als Drey-Bünder-Keilziegel bezeichnet); dann Tuffstein oder Lavaziegel von besonderer Gattung und Qualität. Im März 1823 berichtete er an die Regierung, dass er in seinem Ofen mit hundert Zentnern Kohle (ca. 5600 kg.) 15.000 Ziegel zu brennen vermöge, während früher auf je tausend Ziegel eine Klafter Holz gerechnet wurde. Dass er die nötige Braunkohle aus dem eigenen weststeirischen Bergwerk bezieht, wird aber nicht erwähnt.
Im August 1823 wandte sich Hödl mit einer neuerlichen Eingabe an das „Gubernium“. Er verwies auf die schon weiter oben genannten finanziellen Einbußen und sagte schließlich, dass er um seine Existenz kämpfe. Er ersuchte die Regierung, ihm die Lieferungen für die öffentlichen Gebäude zu überlassen und für diese seine glasirten und eisenüberzogenen Ziegel zu verwenden, die von ihm erfundenen Zimmeröfen für Schulen und Kanzleien einzuführen und bat überhaupt um Unterstützung seines Unternehmens. In der Antwort der Regierung wurde Hödl aber mit wohlwollenden und anerkennenden Worten abgespeist.
Wo lag nun Hödls Ziegelwerk genau? Die Riedkarte zum Franziszeischen Kataster von 1829 zeigt ihn an der Kreuzung, wo „der alte Holzweg“ in die Alte Poststraße mündete. Die Lage der verschiedenen Bauten ist aus Bild 4 ersichtlich. Der „Reindl-Plan“ von 1822 zeigt als erster den Doctor Hödlische Ziegel Stadl (Bild 5), die Umgebungskarte von 1877 schon „Alter Z.O“ und südlich davon einen neuen (Bild 6). Heute würde die Adresse gegenüber der Einmündung der Bodenfeldstraße zwischen den Bauten Alte Poststraße 97 und 107 liegen; der hier abzweigende Fußweg markiert den „alten Holzweg“. Der nach dem Advokaten benannte „Hödlweg“ zweigt etwas weiter nördlich Richtung Unfallkrankenhaus ab.
Der uns als Planzeichner gut bekannte Geometer Carl Sigmund Reindl hat noch im Dezember 1820 für Hödl einen Ziegelofen entworfen (Bild 1), dessen Außenhülle einem antiken Bauwerk mit Säulen nachempfunden war; das hat wohl Joseph Wastler 1888 im Morgenblatt der Tagespost zu der irrigen Annahme verführt, ein ehemaliges Eggenbergisches Lusthaus wäre von Hödl zu einem Ziegelofen umgebaut worden. Ein Foto, vermutlich aus dem Jahr 1880 (Bild 7) und ein Gemälde von Karl Reithmeyer 1912 (Bild 8) zeigen Fronten des exotischen Gebäudes, während ein 1888 in Graz ausgestelltes Aquarell von Josef von Arbesser ausschnittsweise Parallelen zu Reindls Plan erkennen lässt (Bild 9).
Mit seiner Lehmproduktenfabrikation hatte Hödl jedenfalls völlig neue Wege beschreiten wollen. Er hatte zunächst die an ihre Grenzen stoßende Nutzung von Holz als Energiequelle für die Ziegelbrennerei durch die viel effizientere Braunkohle abgelöst, wozu er auch für den Bergbau wichtige Vorarbeit leistete.
Hervorgetreten ist Hödl auch durch die Produktion von glasierten Ziegeln besonderer Qualität (z. B. Beispiel für die Dach-Ixen im 2. Hof des Grazer Landhauses) und die Erzeugung künstlerisch wertvoller Terrakotten (wie sie etwa an der Nordfassade des Reinerhofs zu sehen sind). Für diese Arbeiten engagierte Hödl Bildhauer wie Johann Peroutka und Johann Gottfried Krancke.
Der Anfang vom Ende
War das Ehepaar Hödl 1824 noch durch die Geburt der Tochter Franziska beglückt worden, so drohte in diesem Jahr das vorläufige Ende des Ziegelwerks. Die Weigerung der Stände, den Uhrturm mit Produkten aus Hödls Werkstatt neu zu decken, war vielleicht bei einem Kostenvoranschlag von 516 fl. 55 kr. (Kreuzer) für 6700 Stück flacher und glasierter Dachziegel und 130 glasierte Hohlziegel nicht ausschlaggebend, aber Hödl musste dennoch Konkurs anmelden. Dabei handelt es sich aber nicht – wie bisher vielfach angenommen – um den Konkurs der Hödlschen Schloßbergunternehmungen; diese hatte Hödl ja schon 1821 an seine Frau Karoline übergeben.
Mit 28. September 1824 wurde vom Magistrat die Versteigerung der Hödl’schen Concursmasse bekanntgemacht. In der dritten Tagsatzung zur Versteigerung erwarb am 22. Jänner 1825 Johann Schalk, Eggenberger Untertan, aus der Hödlschen Konkursmasse seinen 1821 für 1800 fl. C.M. an Hödl verkauften Bodenacker Nro. 74 mit einen Meistboth von 331 fl. CM. zurück.Wastler – und nach ihm weitere Autoren – hatten fälschlich angenommen, Schalk hätte die ganze Ziegelfabrik gekauft – um 331 fl.!? Den Acker Nro. 77 ersteigern Franz und Theresia Hammerlitz um 451 fl. C.M.
In derselben Tagsatzung ersteigerte dann Ignatz Khlum die ehedem Panzerischen landschaftlichen auf 12,500 fl. W.W. geschäzten Bodenfeldäcker um 4000 fl., davon erlegt er 400 fl. sofort. Am 14. Juni erklärte Khlum, dass er die ihm aus der Lizitation zustehenden Rechte der Frau Hödl überlassen habe. Diese hatte 1015 fl. 20 kr. bar erlegt und den Verkaufsrest (samt Zinsen von 82 fl.) von 2666 fl. 40 kr. C.M. dann zu Gunsten der Konkursmasse (deren Verwalter übrigens Tomantschger war) im Schuldenbuch der Landtafel intabulieren lassen, weiters auf dem zweiten Platz einen Schuldbrief vom 10. Juni zu Gunsten von Alois Graf von Khünburg in Höhe von 500 fl. C.M..
Caroline führte die „Lehm-Produkten-Manufaktur“ in der Alten Poststraße nun weiter und erhielt im August 1829 ein weiteres Privileg. Sie fiel später sogar mit Erfindungen auf, so z. B. „Thon- und Lehmmassen und dergleichen in nassem Zustande zu bearbeitende Materialien zu reinigen und zu sortieren“.
Dr. Hödl widmete sich wieder verstärkt seiner juristischen Tätigkeit – und dem Schloßberg! Doch davon in der nächsten Folge.
Mit Vertrag vom 1. Juli 1832 musste Karoline Hödl dem Alois Graf Khuenburg die Lehmproduktenfabrik in Graz und den Braunkohle-Bergbau in Untergraden bei Voitsberg auf drei Jahre gegen 400 fl. jährlich verpachten (Bild 10); dort hatte auch Dr. Hödl das fossile Stück Nadelholz entdeckt, das der Botaniker Franz Unger 1847 unter dem Namen Peuces Hoedliana Ung. öffentlich machte, „um den Verdiensten eines Mannes, der sein Leben hindurch manchen Zweigen der Industrie einen wesentlichen Vorschub gab“.
Am 11. April 1833 wurde im Schuldenbuch der Landtafel die Forderung des Joseph Fürsten von Schwarzenberg in Höhe von 1666 fl. 40 kr. an die Bonaventura Constantin Hödl’sche Conkurs Masse eingetragen; die noch aus dem Ankauf der Bodenfeldäcker stammende Forderung der fünf minderjährigen „Pupillen“ Kienbacher in Höhe von 1000 fl. war schon am 12. Dezember 1832 intabuliert worden.
Wie aus der Grätzer Zeitung vom 17. Juni 1835 hervorgeht, wurde schließlich wegen der oben genannten Forderung die executive Feilbiethung des Besitzes der Caroline Hödl bewilligt. Es ging um den Flächeninhalt von 2 Jochen und 1115 Quadratklaftern „landschaftlichen Bodenackers außer der Eggenberger-Linie mit den darauf befindlichen Ziegelöfen und Ziegelstadlgebäuden, so wie der dabey befindlichen Zugehör an Werkzeugen, Modellen und sonstigen Mobilar-Gegenständen.“
Die Realität „hat steinfreyen Lemgrund, ist mit einem 1 Klafter tiefen, ganz ausgemauerten, im strengsten Winter und trockensten Sommer bisher nie versiegten Doppel-Pumpenbrunnen versehen, und mit einem Graben umgeben. Auf dieser Realität befinden sich drey gemauerte Brennöfen für Ziegel und Töpferwaaren, von denen zwey sich durch besondere Solidität und Brennstoffersparung auszeichnen; dann drey große hölzerne Fabrikations-Trocknungs-Gebäude, sämmtlich in gutem Stande. Auch bestehet dabey eine bis zur Einwölbung gediehene Grundfeste eines ausgedehnten Kellergebäudes“
Am 7. September 1835 wird in der 3. Tagsatzung die Realität am Bodenacker öffentlich versteigert. Erster Bieter ist Karl Lehman, einer der Gläubiger Hödls, mit 1600 fl., es folgen mehrfach Franz Eichinger, Alois Graf Khünburg und Joseph Withalm, bis schließlich Graf Khünburg mit dem Meistbot von 3500 fl. den Zuschlag zum Schätzungswert erhält.
Wie lang das Ziegelwerk noch bestand, konnte ich nicht eruieren. Die letzten Spuren des Ziegelofens habe ich vor einigen Jahrzehnten noch gesehen, bevor hier Platz für einen Supermarkt gemacht wurde.
Noch 1839 und 1843 wird Karoline Hödl als Besitzerin und zugleich Werksleiterin des Steinkohlebergbaus „Franzenslehen“ in Mitterdorf bei Voitsberg genannt (Bild 10). Den Braunkohle-Bergbau in Untergraden bei Voitsberg hat 1848 übrigens Erzherzog Johann gekauft, den Steinkohlenbergbau erwarb die Graz-Köflacher Eisenbahn- und Bergbaugesellschaft 1885 für 5000 fl. von einem Franz Hödl, vermutlich einem Sohn unseres Bonaventura Konstantin Hödl.
Viel Vergnügen bei der Spurensuche!
Peter Laukhardt
In der nächsten Folge werden wir die einzigartigen Schloßberg-Projekte der Hödls behandeln.