17/02/2026

Der im Auftrag der Landstände von Amtszeichner Joseph Melling 1817 entworfene Verschönerungsplan für den Schloßberg (Bild 1) strotzte vor Einfallsreichtum (siehe Beschreibung in Bild 2), war aber letztlich unfinanzierbar und blieb daher Illusion. Ich überlasse den Lesern die Beurteilung des Entwurfs. Es kam ohnehin ganz anders.

17/02/2026

Bild 1: Verschönerungsplan für den Schloßberg (Melling 1817, StLA)

Bild 2: Gestaltungs-Plan (Melling 1817, Erklärung, Slg. Kubinzy)

Bild 3: Übergabs-Protokoll 1. Juli 1818 (StLA)

Bild 4: Der zerstörte Schloßberg von Norden (Melling 1812, StLA)

Bild 5: Aussicht von meiner Morgenwohnung (ca. 1820, Privatbesitz)

Bild 6: Hainbuchen-Allee (Foto: Laukhardt)

Bild 7: Plan des Grazer Schloßberg nach dessen Zerstörung (Melling 1819, StLA)

Bild 8: Zerstückungsplan (Melling 1819, StLA)

Bild 9: Wegenetz beim Franzosenkreuz (Foto: Laukhardt)

Bild 10: Stützmauern beim Rundweg (Foto: Laukhardt)

Bild 11: Entwurf für eine Florianikapelle (Melling 1821, StLA)

Bild 12: Reste von St. Thomas im Walde (Haas 1856, StLA)

Die Vision des Landeshauptmanns 

Die für den 16. Mai 1815 angesetzte Versteigerung der von den Ständen nicht beanspruchten Randparzellen des Schloßberges unterblieb, weil sie plötzlich andere Forderungen stellten: entweder die Überlassung von weiteren sieben Parzellen, die ihnen den Zugang zur Feuerwache sichern sollten (um den Schätzungspreis von 1240 Gulden) oder des ganzen Berges.

Die entscheidende Aussage in dieser Phase kam am 13. April 1815 von Ferdinand Graf Attems, dem Landeshauptmann der Steiermark (von 1801 bis 1820): Die Stände wären bereit, den Schloßberg um rund 10.000 fl. Wiener Währung zu erwerben, zahlbar in zehn gleichen Jahresraten und 5 % Zinsen. Sie hätten die Absicht, auf den ganz oder teilweise kultivierbaren Flächen ,,aus dem Schloßberg /: ein so weit die Lage es gestattet :/ schönes Ganze zu machen“. Aus diesem Angebot lässt sich bereits ablesen, dass die Stände aus dem Berg einen einheitlichen Erholungsort machen wollten. Und auch das Fiskalamt befürwortete noch im April das Angebot, weil der Besitz des Schloßbergs „in einer Hand dem Staate und der Stadt entschieden von Nutzen sein würde“.

Der österreichische Kaiser Franz I. genehmigte endlich am 18. Mai 1816 den Antrag der Stände, den Schloßberg käuflich zu erwerben. Die Verordnung der Hofkammer folgte am 30. dieses Monats, und nun wurden die Stände aufgefordert, ihren Plan zur Verschönerung des Grazer Schloßberges vorzulegen. Allerdings sollte das, was sie umsetzen wollten, zuvor der Wiener Hofkammer zu Begutachtung unterbreitet werden.

Diesen Bedingungen fügte das Gubernium noch bei, die Stände sollten sich äußern, ob sie „sich nicht zur Herstellung des Uhrturmes und Aufstellung der von der Stadt schon 7 Jahre so schwer entbehrten Schloßbergs-Uhr und des durch die Sprengung vertilgten Meridians (einer Art Sonnenuhr auf der Stallbastei) herbeylassen wollten“.

Dazu gab es noch kleinliche Zwistigkeiten mit der Domänendirektion, die freie Schottergrabung zugunsten der Straßen der Umgebung beanspruchte; das Generalkommando wollte wieder das Plateau zum Salutschießen für sich haben, und eine Straße für die Geschütze, was aber vom Gubernium abgelehnt wurde.

Schicksals-Entscheidung

Am 27. Dezember 1816 erklärten die Stände ihr Vorhaben: der Schloßberg sollte mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt und dem Publikum geöffnet werden! Damit war das künftige Schicksal des Schloßbergs richtungsweisend eingeleitet.

Die Wiener Hofkammer gab aber gleich zu verstehen, dass man an eine Anlage wie die in der Stadt Brünn/Brno dachte, nämlich an die von Erzherzog Ferdinand ab 1814 geförderte Umgestaltung des einstigen Kalvarien- zum Franzensberg. Was das „Allerhöchste Kaiserpaar“ zu sehen bekam, als es in Begleitung mehrerer hochgestellter Persönlichkeiten (Erzherzog Johann, Fürst Metternich) ab dem 30. Oktober 1817 für mehrere Tage in Graz weilte und auch den Schloßberg besuchte, ist nicht überliefert.

Am 1. Juli 1818 wurde jedenfalls das Übergabs-Protokoll von Landeshauptmann Ferdinand Graf Attems und dem Verordneten Ignaz Graf Attems unterschrieben (Bild 3). In der steirischen Landtafel – dem 1730 als erstem in Österreich gebildeten Grundbuch für adeligen Grundbesitz und landschaftliche Güter – wurde der Schloßberg als ein „steyrisch-ständisches Eigenthum“ eingetragen, und die Herren Stände als Eigentümer angeschrieben.

Der Schloßberg vor der Verschönerung

Bevor wir nun die nächste Entwicklungsphase beschreiben, wollen wir uns noch ansehen, wie kahl der noch nicht verschönerte Schloßberg auf seiner Nordseite ausgesehen hat. Das auf Mellings Plan von 1812 eingefügte Bild zeigt eigentlich nur die den steilen Hang hinunter gestürzten Trümmer der Sprengungen (Bild 4).

Dass man hier um 1820 auch nicht viel weitergekommen war, zeigt uns ein winterliches Bild eines anonymen Künstlers mit dem netten Titel: „Aussicht aus meiner Morgenwohnung“ (Bild 5). Da wir rechts unter dem Uhrturm schon das Gasthaus „Zum Uhrturm“ sehen, das der Tischlermeister Anton Helle 1820 errichten ließ, und noch weiter unten schon das etwas zu groß gezeichnete Cerrini-Schlössl steht, können wir die Ansicht auf 1820/21 datieren.

Bei der Allee in der Bildmitte muss es sich um die heutige Parkstraße handeln, die zur Grabenstraße führt, an deren Beginn schon der Neubau an der Ecke Jahngasse-Wickenburggasse steht. Die „Wohnung“ war das 1965 endgültig abgetragene Palais des Grafen Ludwig von Galler, der 1816 bis 1824 an der späteren Adresse Körblergasse 23 wohnte – und vielleicht das Bild selbst gemalt hat.

Erste Bepflanzungen

Die Stände begannen nun mit einfachen Bepflanzungen der wenigen bestehenden Wege, wie z. B. des am Ostabhang zum Uhrturm im Zickzack hinaufziehenden. Es entstand eine heute noch großteils bestehende Allee aus Hainbuchen und Akazien (Bild 6).

Am 8. Dezember 1818 wurde ein weiterer Verschönerungsplan für den Schloßberg vorgelegt. Die Bäume und Sträucher sollten den umliegenden Wäldern entnommen werden. Auch Johann Hieronymus („Jérôme“) Graf Herberstein hätte eine Reihe von Pflanzen aus seinem Park beim Schloss Eggenberg gestiftet, dennoch meinten die Stände, dass es noch einige Jahre dauern würde, bis die Anpflanzungen durchgeführt werden könnten. Auch aus der Baumschule des Joanneumgartens (heute Neutorgasse) sollten Pflanzen, besonders exotische, die sich dem Grazer Klima anpassen könnten, auf dem Schloßberg angepflanzt werden. Das Gubernium äußerte Bedenken wegen der jährlichen Ausgabe von 5000 Gulden für die Bepflanzung des Schloßberges, so dass vorerst an ein zügiges Vorgehen nicht gedacht war. 

Vorbereitungen zum Verkauf

Um die Kosten für die von ihnen geplanten Verschönerungen aufzubringen, beabsichtigten die Stände, die meist felsigen Parzellen am Fuße des Berges an Private zu verkaufen und wählten dazu die Form der öffentlichen Versteigerung.

Nach dem Bericht der ständischen Bauinspektion vom 7. und 12. Oktober 1819 sollten 10 Joch 115 Quadratklafter 4 Quadratschuh in 20 Teilen zum geschätzten Ausrufungspreis von 3203 Gulden 50 5/6 Kreuzer C. M., das sind 8009 fl. 32 1/2 kr. W. W. versteigert werden (1816 war es zur Einlösung der „Wiener Währung“ in „Conventions-Münze“ gekommen, wobei 250 Gulden Wiener Währung in 100 Gulden Conventions-Münze getauscht wurden). Die Quadratklafter sollten je nach der Güte des Grundes um einen Preis von 2 bis 21 kr. W.W. verkauft werden.

Man ließ deshalb von Melling einen Zerstückungs-Plan zeichnen. Als Basis dafür kann der Plan angesehen werden, in den Melling 1819 noch die Umrisse der zerstörten Befestigungen einzeichnete, aber nur eine erste grobe Einteilung der Areale am Fuß des Berges (Bild 7): Plan des Gratzer Schloßbergs nach dessen Zerstörung. Aufgenohmen und gezeichnet Joseph Melling AZ (Amtszeichner); um 1819, StLA.

Einige interessante Details dieses Plans: Gegenüber dem Uhrturm die Reste der Burg-Schmiede, unter der Bürgerbastei im Westen der Herberstein Garten, im Osten der Sauerau Garten. „Die Katz Batterie“ ist nur mehr ein Felsblock; die Reste des Pulverturms haben noch keine Benennung; beim „Feuerwacht-Platz“ auf der Stallbastei stehen sechs Alarmkanonen, im Hof schon die kleine, 1812 gebaute Zisterne; beim nördlichen Teil der Kasematte ist ein Sprengkrater; vom Marketenderhaus beim Glockenturm sind noch Fundamente zu sehen.

Neben dem „Siebenthurn“ ist die „Kirche Thomas im Wald“ nur mehr in Grundmauern vorhanden; die „geweste Löwengrube“ zeigt noch den Zisternenbrunnen; auf der „Werdenberger Batterie“ sind noch keine Bauten zu sehen; „gewestes Arrest-Haus“ nennt der Zeichner das ehemalige Schloßhauptmannshaus (die heutige Freilicht- oder Kasemattenbühne); die Zisterne am Plateau ist ein „Passin“; im Norden gibt es schon einen „Triangulirungs-Punkt“; die „Glöckel-Batterie“ ist noch gut zu erkennen; beim heutigen Aussichtspunkt ober dem gotischen Tor steht ein Gebäude mit dem Namen „Feuerwacht und Wirthshaus“, es hat einen kleinen eingezäunten Garten. Hier haben wir also den ersten Gastronomiebetrieb am Grazer Schloßberg.

Aus dem Bereich der heutigen Kreuzung Wickenburggasse-Körösistraße führt in zwei Kehren ein Weg in Richtung Türkenbrunnen; ein Fußsteig zweigt unter dem ehemaligen Kasernplatz ab und erreicht ebenfalls in zwei Kehren die Fernbergerbastei und die Löwengrube.

Nördlich der heutigen Wickenburggasse fällt der Vermerk auf: „Färber Wiese und Garten“; dieses Areal gehört wohl zum eingezeichneten Haus Grabenstraße 1, bei dem das Häuserbuch 1798 tatsächlich den Färbermeister J. Kicker anführt. 

Zerstückungsplan

Melling fertigte dann den „Plan über die Zerstückung der zum Verkauf angetragenen Grundtheile des Gratzer Schloßberges, Aufgenohmen, zerstückt, und Gezeichnet, Joseph Melling, Amtszeichner“ 1819 (Bild 8).

Der Plan zeigt grün unterlegt die 20 Parzellen am Fuße des Schloßbergs, die von den Ständen an Private verkauft werden sollten; der „Grundtheil“ Nro. 7, die sogenannte „Flesch oder Untere Batterie“, für die sich dann verständlicherweise kein Interessent gefunden hat, stellt die von Palisaden geschützten Verteidigungsstellungen von 1809 wie kleine Basteien dar. Die Flächenangaben ziehen aber schon die gemeinsam ersteigerten Parzellen 4, 5 und 6 sowie 8, 9 und 10 zusammen. 

Kurze Beschreibung dieses interessanten Plans (beginnend beim Uhrturm und im Uhrzeigersinn): Der „Uhrturm-Platz“ liegt zwischen dem Turm und der ehemaligen Schmiede und nunmehrigen Schlosserwerkstatt; die anschließenden zum Sack steil abfallenden Felsen sind „Die denen Burgern im 2ten und 3ten Sack vom Aerario überlaßenen 16. Antheile“; sie wurden nicht der Versteigerung unterzogen. Es folgen „der tiefe Brun~“, und auf der Bastei „der Feuerwacht Platz“ mit sechs Alarmkanonen, der 1812 erbauten kleinen Zisterne, dem Luntenturm und einem kleinen Magazin. Der ehemalige Pulverturm unter der Basteikante hat noch keine Bezeichnung. Schön ist der Schatten, den „der Siebne Thurm“ wirft, so als wenn die Sonne von Norden gekommen wäre.

Die auf dem Melling-Plan der Zerstörungen noch erkennbaren Reste der Thomaskapelle sind hier aber nicht mehr eingetragen. Nach Norden folgen die Zisterne in der Löwengrube und am Plateau der „gewester Cistern Brun“ (er war ja ebenfalls verschüttet), dann noch der „Triangulierungs Punkt“; das unbezeichnete kleine Feuerwachgebäude beim hinteren Zwinger kennen wir von dem vorigen Plan schon in seiner Zweitfunktion als Wirtshaus. Hier hatte übrigens der Magistrat schon 1735 eine Feuerwache eingerichtet, denn damals suchte der Oberingenieur Weiß die Kosten einer Ausbesserung der Kiliansbastei (eine häufige irrige Bezeichnung dieses Platzes) auf den Magistrat abzuwälzen.

Am Fuß des Berges „auser dem Sack-Thor“ sieht man zuerst das Haus des Melbers, hier aber ohne Bezeichnung; die Häuser der beiden „Gloggengieser“ und das „Sackthor“. Die unbezeichneten Gebäude im Sack unter der Parzelle Nr. 18 gehörten zum damals sehr bekannten „Wienerwirt“ (heute Kaiser-Franz-Josef-Kai 50).

Den halben Berg umkreist ein Rundweg, der schon in Mellings Aufteilungsplan von 1812 aufscheint. Er setzte die schon angelegte Hainbuchen-Allee ober dem Karmeliterplatz über die Auffahrtsstraße nach Norden fort und führte ober dem Franzosenkreuz in Richtung Wickenburggasse weiter (Bild 9 und Bild 10).

Eine Verbreiterung des Weges oberhalb dem damaligen „Militair Holz Magazin“ (heute Landesturnhalle) zeigt jenen Felssporn an, der 1839 von Ludwig Freiherrn von Welden zum „Parapluie“ gestaltet werden wird. Vom Ende der Wickenburggasse stößt in spitzem Winkel ein Aufstieg zum Rundweg. Dieser verläuft dann entlang der westlichen Abhänge weiter, steigt in zwei Kehren zum ehemaligen Pulverturm am Fuß der Stallbastei an und erreicht über den Türkenbrunnen die große Auffahrtsstraße.

Dieser Wegverlauf ist heute noch erhalten, war aber zu der Zeit Weldens ober dem heutigen Haus Wickenburggasse 7 durch eine dazwischen liegende private Parzelle unterbrochen, weshalb Welden 1839 zunächst als Ausweiche die steile Stiege vom „Parapluie“ zur neuen Straße anlegen musste.

Ab der Abzweigung von der Weldenstraße heißt der Weg heute „Major-Hackher-Weg“. Der Bau der Schloßbergbahn hat 1894 die Serpentine des Weges hinauf zum Starcke-Häuschen verändert. Unterhalb der Kante der Stallbastei biegt der Weg nach Norden um und führt entlang der westlichen Abhänge schließlich zum „Hackher-Löwen“ am Plateau.

Dass dieser Rundweg auch auf dem großartigen Modell von Anton Sigl erscheint, ist nicht ganz zu erklären, denn zur Zeit der Belagerung 1809 wäre ein solcher Pfad für die Verteidiger ein viel zu hohes Risiko gewesen. Ich erkläre mir das so: Sigl hat sein Modell nach einem genau vermessenen Plan gebaut; einen mit 1819 datierten hat er neben seinem Modell ausgestellt. Die Ähnlichkeit beider Pläne muss zum Schluss führen, dass Sigl Mellings Aufteilungsplan von 1812 kopierte. Dabei hat er wohl auch die Wegführungen übernommen. Die bei Melling nur mehr in schwacher Schraffierung gezeichneten zerstörten Gebäude und Festungswerke hat Sigl aber als bestehend „wiederbelebt“.

Bevor wir über die nun anstehende Versteigerung der Schloßberggründe und die ersten Bauherren berichten, soll hier noch der 1821 von Melling gefertigte aber nicht realisierte Entwurf erwähnt werden, der eine Florianikapelle (Bild 11) über den Resten der zerstörten Thomaskapelle (Bild 12) vorsah.

Fortsetzung folgt.

Erwin Schwentner

Danke. Eine bemerkenswerte Arbeit über den Schlossberg. Interessant auch, inwieweit die Stände/die Bevölkerung bei der Öffnung und vor allem auch bei der Bepflanzung/Gestaltung eingebunden oder gar aktiv war (zB Hainbuchenallee). Die heutige Bevölkerung zehrt davon.

Do. 26/02/2026 10:58 Permalink
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