Meine Ausführungen stützen sich wieder auf Arbeiten bedeutender Historiker, von denen die im Landesarchiv aufbewahrten Baurechnungen des 16. Jhs ausgewertet worden sind: Joseph Zahn 1883, Josef Wastler 1887, Fritz Popelka 1935, Ferdinand Rogatsch 1937, Eduard Andorfer 1960, besonders aber Leopold Toifl 2003. Durch eigene Forschungen und Erlebnisse (bei Grabungen, Straßenbauten, Abrissen etc.) bin ich aber in einigen Punkten zu anderen Schlussfolgerungen gekommen. Auch eigene Meinungen mussten dabei revidiert werden.
Die lange Abfolge an Verteidigungsbauten lässt sich in einer Folge nicht ausführlich beschreiben. Ich will sie daher hier überblicksartig behandeln und dabei neu gewonnene Aspekte herausstreichen. In Bild 1 habe ich eine Übersicht über die in Graz gebauten Befestigungen und ihre Lage im heutigen Stadtbild skizziert. Die Farbgebung zeigt die Bauepochen an, zusätzlich sind wichtige Abschnitte mit den Baujahren versehen. Besonders interessante Stellen sind am Plan und im Text mit einem * gekennzeichnet.
Neue Architektur gegen die Gefahr aus dem Südosten
Die zunehmende Bedrohung durch Einfälle osmanischer Truppen, die 1532 auf dem Rückmarsch noch an Graz vorbeigezogen waren, forderte gegen Mitte des 16. Jahrhunderts eine neue Stadtbefestigung, die im Gegensatz zu den durch Türme verstärkten Steinmauern des Mittelalters auch dem Beschuss durch Kanonen standhalten konnte. Diese neuen, leicht geböschten Mauern reagierten durch den Erdkern elastischer auf Beschuss, die Verkleidung der Wallmauern durch Ziegelschichten und die Befestigung der Mauerbasis und Kanten aus Sandstein stabilisierten das Mauerwerk. So wurde nach dem italienischen Vorbild ab 1543 in Graz eine Umwallung in Form von Kurtinen (Frontmauern) und Basteien (mit Kanonen bestückte Bollwerke) gebildet. In Bild 6 oben sind Elemente dieser Befestigung beim Paulustor beschrieben.
Da die Zeit aber drängte, beschloss man – wie ich schon in Schau doch! 59 schilderte – zunächst die am stärksten gefährdeten Teile der mittelalterlichen Stadtmauer durch drei Eckbasteien zu ergänzen, die mit Geschützen und Musketen die Ost- und Südflanke bestreichen konnten, bevor noch die neuen Kurtinen gebaut waren: die Burgbastei, die Grillbühelbastei und die Bürgerbastei.
Diese Linie bestand aber nicht aus der 1265 genannten Stadtmauer (in Bild 1 rot gezeichnet), sondern aus der 1441 in einer Urkunde König Friedrichs IV. erwähnten Zwingermauer (gelb gezeichnet, siehe Schau doch! 59), die von den Historikern bisher nicht in ihrer vollen Bedeutung und ihrer konkreten Lage erkannt wurde. So lässt sich vor allem an der Bürgerbastei im Südwesten erkennen, dass mit der bestehenden Stadtmauer keinesfalls die von 1265 gemeint gewesen sein kann. Es wurde wohl übersehen, dass die Lage des Reckturms mit der ersten Mauerlinie nicht übereinstimmen konnte: wenn man die richtig gesetzten Pflastermarkierungen in der Frauen- und der Schmiedgasse nach Westen verlängert, sieht man deutlich, dass die 1552/54 erbaute Adler- oder Bürgerbastei nicht als Flankierung der Stadtmauer von 1265 geeignet war.
Unter der Gesamtleitung von Domenico dell’Allio war mit dem Bau der drei wichtigsten Eckpunkte der Stadtbefestigung begonnen worden – und zwar nach der „altitalienischen Manier“ mit kleinen Basteien und langen Kurtinen: die Grillbühelbastei ab 1546, bald danach die nördlich anschließende „Katze“ (ein erhöhtes Bollwerk), ab 1552 die „Bastei bei dem Reckthurm gegen des Hrn Adler Mühl“ später Bürgerbastei; und ab 1556 die Burg- oder Hofbastei.
Beginn mit Fehlplanung?
Dell’Allio wollte im Westen zunächst nur die direkt zum „alten“ Eisernen Tor führende Zwingermauer von 1441 als provisorische „Kurtine“ nutzen. Auch die vom Reckturm nach Norden führende Stadtmauer von 1265 – mit einem jüngeren Rondellbau (siehe Ansicht Angielini von 1571, Bild 3 oben) – sollte weiterverwendet werden (was dann auch geschah). Die Bürgerbastei ist tatsächlich ab 1552 an der Südwestecke diesen beiden alten Mauerzügen vorgelagert worden, eine Sandsteinspolie dieses Werks mit der Inschrift 1553 ist an der Ecke Nelkengasse-Radetzkystraße eingemauert (Bild 11 links *). Der Reckturm etwas dahinter blieb stehen; neben diesem – nicht durch diesen Turm – ließ dell’Allio eine Öffnung als Auffahrt für die Kanonen frei.
Vom alten Eisernen Tor (Abbildung am Gottesplagenbild, Bild 2 oben) in Richtung Osten konnte die Zwingermauer nicht verwendet werden, weil sie keine gerade Linie ermöglichte. Dell’Allio plante daher eine nur leicht beim Tor abgewinkelte gerade Kurtine, und ließ an ihrem östlichen Endpunkt ab 1547 mit dem Bau der Grillbühelbastei und wohl auch der anschließenden Kurtine von der Grillbühelbastei in Richtung Westen beginnen; sie wurde aber nach dem Bestandsplan des kaiserlichen Oberingenieurs Martin Stier von 1567 nur bis ungefähr zur Höhe des heutigen Hauses Tummelplatz 7 fertiggestellt (Bild 3 unten).
Als dell`Allio 1563 auf einer Besichtigungsfahrt an die Militärgrenze ums Leben kam, waren alle drei Eckbasteien fertig gebaut. Sein Nachfolger Francesco Thebaldi äußerte sich mit einem Bericht vom 18. März 1565 kritisch zum Gesamtkonzept und verfasste 1567 einen Plan für den Weiterbau der Kurtinen.
Erste Verbesserungen
Ein großes Problem waren die Abstände zwischen den Basteien. So lagen zwischen Burgbastei und Grillbühelbastei rund 300 m, für die Wirkungsweite der Musketen – der damaligen Hauptwaffe der Verteidiger – von max. 300 Schritten, gleich 225 m, eine zu große Entfernung.
Unter der Leitung von Baptista Tadei wurde deshalb die Burgbastei schon ab 1567 durch einen Vorbau ergänzt, der die Distanz zur Grillbühelbastei auf rund 205 m verkürzte, aber auch – vielleicht vorausschauend – die nötige Sicherung für den in den Jahren 1570-1571 errichteten Karlsbau der Burg bot.
Vor dem Burgtor wurde damit eine neue Toranlage nötig, die „im rechten Winkel zur Zwingermauer“ gegen die Grillbühelbastei errichtet wurde. Dieser, der Habilitationsschrift von Ferdinand Rogatsch entnommene Hinweis zeigt uns, dass zunächst hier die noch durch kleine Türme verstärkte äußerste mittelalterliche Stadtmauer von 1441 als vorderste Verteidigungslinie dienen musste. Das galt übrigens auch für die Nordflanke der Stadt, denn zwischen der (ersten) Burgbastei und dem (inneren) Paulustor bildete die mit vier Türmen besetzte Zwingermauer noch bis zum Bau der Paulustor-Vorstadt ab 1581 die Frontlinie.
Von den Stadtansichten und Plänen verzeichnen nur die Ansichten von Angielini 1571 (Bild 3 oben), von Vandesype-Hollar 1635 (Bild 2 unten) und der Bestandsplan Stiers von 1567 (Bild 3 unten) die alte Form der Burgbastei mit dem Vorbau.
Nach seiner Inspektion kritisierte auch der kaiserliche General Lazarus von Schwendi 1568, dass die beiden Bollwerke Grillbühel- und Bürgerbastei zu weit auseinander lägen, um sie wirkungsvoll verteidigen zu können, nämlich rund 550 m. Die südseitigen Kurtinen konnten daher von den Eckbasteien aus nur zum Teil bestrichen (unter Feuer genommen) werden. Das zu dieser Zeit bestehende alte Eiserne Tor bot keinen ausreichenden Schutz.
Umplanung
Die Lösung war ein 1568 bis 1571 errichtetes Zwischenbollwerk, mit dem gleichzeitig ein Schutz des Südtores verbunden werden sollte. Weil für Ausrüstung und Verteidigung die Landstände zuständig waren, erhielt diese Anlage den Namen „Landschaftsbastei“. Die Projektierung dieser neuen, geräumigen Bastion mit zwölf Geschützen konnte nun nicht mehr in die Pläne dell’Allios eingefügt werden und verlangte zusammen mit dem mächtigen, neuen Walltor (dem „neuen“ Eisernen Tor, erbaut 1568-74, abgerissen 1860, siehe Bild 2 unten) eine Vorschiebung der Verteidigungsanlage um rund 35 m in Richtung Süden. Im Keller des Hauses Am Eisernen Tor 2 sind Reste der westlichen Basteiflanke erhalten (Bild 12 links oben) *. Beim Bau der Tiefgarage wurde 1980 die östliche Flanke der Bastei ausgegraben und etliche Sandstein-Quadern in die Gartenanlage des Rosariums eingebaut, eine in Graz leider nicht mehr geübte historische Tat (Bild 12 rechts) *. Die nach Süden laufende Reihe könnte mit rund 23 m der östlichen Flanke der Bastei entsprechen, die nach Westen wäre mit rund 7,5 m bis zur zurückgezogenen Flanke denkbar. Da die Stadtmauer 5 m nördlich der Südflanke des Hauses Hamerlinggasse verlief, sind die zusätzlichen 7,5 m bis zur Kante der aufgestellten Quader etwas zu gering für den Abstand des Vorbaus der Flanke zur Kurtine.
Mit der Absteckung der neuen Bastei waren aber die von dell’Allio geplanten Kurtinen zu den Eckbastionen ebenfalls vorzuverlegen. Unter der Leitung des Baumeisters Francesco Thebaldi entstand zeitgleich mit der Landschaftsbastei eine neue, etwa 222 Meter lange Kurtine, die die Zwingermauer ersetzte und Landschaftsbastei mit Bürgerbastei verband. Vom Eisernen Tor aus ist die Mauerlinie mit den nördlichen Bauten der Kaiserfeldgasse bis zur Schmiedgasse identisch. Ein in ein Wohnhaus umgebauter Abschnitt der schrägen Kurtinenmauer blieb auf Nr. 6 mitsamt dem Mauerwulst als sogenanntes „Basteihaus“ noch bis 1869 zwischen den Neubauten bestehen. Der noch vorhandene Stadtgraben verhinderte lange einen Ausgang nach vorn.
Ab 1570 musste wegen der um rund 25 m weiter südlich verlaufenden neuen Kurtinen-Linie auch die Grillbühelbastei teilweise abgerissen und neu gebaut werden. Im Keller des Hauses Burggasse 17 entdeckten 2017 Volker Pachauer und ich fast auf dem Niveau des Stadtgrabens und rund 4,7 m hinter der südseitigen Fassade einen ca. 8,5 m langen und ca. 2 m hohen Rest der „richtigen“ Kurtine mit 3-lagigen Sandsteinquadern am Fuß der leicht geböschten Mauer *. Diese lief – vorher abgebrochen – auf die „falsche“ Flanke der Bastei zu, die von hier nach 5 Stufen und ca. 3,3 m nach Norden wieder mit einer Kante aus Sandstein endete (Bild 5 oben). Von hier verlief eine rezente Hausmauer weiter in Richtung Norden. Diese Entdeckung verhalf mir zu einer Fixierung der Lage des westlichen „Fürpaus“ der ersten, ab 1547 gebauten Grillbühelbastei.
Auch die Katze musste abgerissen und neu konstruiert werden, erst 1575 war ihr Neubau fertig. Der bereits gebaute Teil der Kurtine von der „alten“ Grillbühelbastei nach Westen blieb aber bestehen, wie das „Bausuperintendent“ Sallustio Peruzzi in seinem Bericht von 1570 vorgeschlagen hatte. Von den Historikern wurde dieses Relikt fälschlich als alte Stadtmauer oder als Stadtseite der neuen Kurtine verstanden, so auch, als sie beim Abbruch des „Kommodhauses“ kurz freigelegt wurde (Bild 5 unten).
Zweite Bauperiode: Paulustorvorstadt
Ab 1581 wurde die Lücke zwischen der Stadt- und der Schloßbergfestung mit dem Bau zweier heute noch in großen Teilen sichtbaren Bastionen (Kriegsstelle- oder Paulustorbastei, Karmeliterbastei) beiderseits eines neuen Torbaues, dem „äußeren“ Paulustor (1582-1614), begonnen und um 1603 fertiggestellt. An der Ecke der Karmeliterbastei findet sich das Steinmetzzeichen IP für Giacomo de la Porta *, der 1588 auch den Glockenturm am Schloßberg gebaut hatte. Die bergseitige Paulustor- oder Kriegsstellebastei besitzt sogar als einzige noch eine Kasematte *, die zum Geschützstand der zurückgezogenen niederen Flanke führt, wo jetzt das Kriegerdenkmal von Prof. Silveri steht. Auch der „Orillon“, eine rund gestaltete Basteikante zur Vermeidung von Abprallern ist zwar vom Bewuchs fast komplett verdeckt, aber immer noch erhalten (Bild 6, Skizze Laukhardt und Foto).
Um die alte Burgbastei (Bild 9 oben) mit der Kurtine zur Karmeliterbastei bestreichen zu können, wurden zwei Kanonen-Schießscharten angelegt, die 2002 beim Bau der Tiefgarage Pfauengarten freigelegt werden konnten (Bild 10 unten und 12, links unten). Sie sind von dem neuen, leider schwer zu findenden Übergang vom Karmeliterplatz zum Stadtpark (Bild 9 unten) aus ebenso sichtbar belassen worden, wie die Kante der Burgbastei * mit den Steinmetz- oder Baumeister-Zeichen PASA (auch beim Schanzgraben zu finden) und dem Baujahr 1558 (Bild 10 oben). Ich verdanke dem Baumeister der Neubauten im Pfauengarten die Verlegung der Feuerwehrzufahrt und damit Ermöglichung dieser Einblicke.
Dritte Bauperiode: Basteien am Murufer
Zwischen 1619 und 1621 wurde das unbebaute Gebiet westlich der Bürgerbastei in die Stadt einbezogen und durch das Neutor (1886 abgerissen) und die westlich anschließende Kälberne Viertel oder Neutorbastei gesichert. Eine vermutlich 1648 im Umkreis von Matthäus Merian vom Turm der Andräkirche gezeichnete Ansicht zeigt den offensichtlich abgebrochenen Bau einer Basteimauer, der Lage nach die der Neutorbastei. Die nördlich davon situierte Karmelitinnenbastei dürfte erst um 1664 fertiggestellt worden sein.
Der Bestandsplan von Martin Stier von 1657 aus der Handschrift 9225 f. 12 der Österr. Nationalbibliothek (Bild 3 unten, er enthält auch schon Vorschläge) beweist, dass diese Bastei damals noch nicht begonnen worden war. In einem anderen vermeintlichen Bestandsplan täuscht Stier aber bereits eine komplett durch Befestigungen gesicherte Murfront vor: mit dem bei Trost 1728 gezeigten Brückentor (dem äußersten, also dritten Murtor), der erst 1671 begonnenen Admonterbastei und danach einer nie gebauten Uferkurtine mit einigen Rundtürmen bis zur Sackbastei.
Beim Umbau der Tegetthoffbrücke waren 2024 kurz einige Quadersteine des Fußes der nördlichen Flanke dieser Bastei sichtbar, die hier (und nicht, wie Stier plante, erst bei der Franziskanerkirche) etwas von der Mur zurücksprang, um die heute noch auf einigen Metern der Unterführung sichtbaren Teil der zum Murtor führenden Uferkurtine * mit Flankenfeuer bestreichen zu können.
Während das 2. Sacktor (Sackstraße 38) allgemein als mittelalterlicher Abschluss des zweiten Sackes um 1486 klassifiziert wurde, ist weitgehend unerkannt geblieben, dass ganz im Norden der Stadt auch der „dritte“ Sack schon durch den mittelalterlichen „Roten Turm“, ein Tor und eine heute noch erhaltene Steinmauer am Schloßberghang geschützt war. Der Bau der Sacktorbastei ab 1621 diente zur Bestreichung der Murflanke und zur besseren Sicherung des zu einem Walltor erweiterten Sacktors (lt. rudimentär erhaltener Inschrift an der noch bestehenden bergseitigen Basteimauer „Ao. Do. MDCXXV FERDINANDUS II. ROM. IMP. S. AUG„ * im Jahre 1625 fertiggestellt, Bild 11 unten). So hatte Graz eigentlich vier Sacktore!
Vierte Bauperiode: Neue Burgbastei und Ravelins
Der 1655-1686 in Graz tätige Festungsbaumeister Guyslein Segers Ideghem van Wassenhoven ließ um 1670 die Burgbastei zu ihrer heutigen Größe erweitern und durch eine neue, weiter vorgezogene Kurtine mit der Grillbühelbastei verbinden. Beim heutigen Café Promenade lag die zurückgezogene Flanke mit mehreren Kampfständen für Geschütze. Reste der hier rd. 5 m hohen Kurtine sind beim Abgang in die Tiefgarage am Burgring * ausgestellt (Bild 12 rechts). Auch die Kurtine zur Karmeliterbastei musste im südlichen Abschnitt neu gebaut und durch Pfeiler gestützt werden (Bild 12 unten links), da die alte Mauer schlecht grundiert war. Nun gab es von hier aus keine Flankierung der Kurtine mehr.
Martin Stier, der 1657 zur Unterstützung Wassenhovens in Graz weilte, hinterließ uns – leider nicht eindeutige – Pläne des Istzustandes der Stadt und zu Erweiterungsprojekten. Rund um die Stadt sollten vor die Kurtinen Ravelins gelegt werden, dreieckige Erdwerke, die nur feindseits gemauert waren. Und auch die Murvorstadt sollte durch Basteien geschützt werden. Aus Kostengründen kamen aber um 1664 nur die beiden Ravelins vor der Südflanke der Stadt zur Ausführung (am Stier-Plan Bild 3 unten als Vorschlag und am Claus-Plan Bild 4 oben als Realität).
Die beiden Reihen der niedrigen „Grabenhäuser“ am Jakominiplatz stehen auf den äußeren Wällen des Stadtgrabens, die hier wegen der Ravelins zurückweichen mussten.
Eine sogenannte „Wasserbastei“, die später nach dem katastrophalen Hochwasser von 1827 stark verkleinert werden musste, war die 1671-1676 gebaute Admonter- oder Ursulinenbastei auf Höhe des heutigen Edegger-Stegs.
Abbruch der Stadtmauern
Nachdem Kaiser Joseph II. Graz 1782 zur freien Stadt erklärt und die Auflassung der Befestigungen angeordnet hatte, drängte man natürlich auf die Ausdehnung der beengten, stickigen Innenstadt. 1797 begrünte man mit der Dammallee die alte, damals noch sichtbare Grabenmauer (Contrescarpe), die sich parallel zur Befestigungslinie hinzieht (Bild 7 oben). Vor etlichen Jahren konnte ich diese gut 5 m hohe Mauer noch bei einer Grabung für ein Umspannwerk in der Girardigasse entdecken, wo sie dem Ravelin „beim Circus“ auswich. Der Mauerteil bei der WC-Anlage unter dem Forum Stadtpark könnte als Rest der Grabenmauer gesehen werden, zumal hier auch ein unterirdischer Gang aus der Contrescarpe endet *.
1829 zeigt der Franziszeische Kataster (Bild 4 unten) jedoch noch immer die Bastionen, nur eine Verbindungsmauer zwischen Bürgerbastei und Neutor war Erzherzog Johanns Botanischem Garten zum Opfer gefallen, der sich später noch weiter ausdehnte. 1834 wurde die Burgbastei ihrer Ziegelhaut entkleidet (Bild 8 oben) und der steinerne Leiterwulst (Rundkranz) weiter nach unten versetzt *. Der ursprünglich mit Wasser aus dem Stadtparkbrunnen gespeiste Schanzgraben kam erst hundert Jahre später dazu, ebenso die „Hofratsstiege“ * an der Naht von alter und neuer Burgbastei (Bild 8 unten).
Die nächste spürbare Umwandlung fand im südöstlichen Bereich der Stadtmauer statt. Nach Abtragung der Kurtine wurden ab 1835 die ersten Neubauten von Georg Hauberrisser am heutigen Opernring errichtet, sie durften 2 Klafter 4 Fuß (rund 5 m) weiter in den Stadtgraben hineinreichen, konnten aber dadurch keine Ausgänge dorthin haben; so ist die heutige Front nicht identisch mit der alten Kurtine (Bild 7 unten zeigt auch das damals erbaute, kurzlebige „Franzenstor“).
Länger blieb die Ostfront stehen. Erst nach der Mitte des 19. Jhs entstanden hier die Neubauten an der Ecke Opernring und den Burgring hinauf bis zum Burgtor. Wie Bild 1 zeigt, ist zwar der neue Häuserblock wie die Grillbühelbastei herausgerückt, dabei wurden jedoch die Basteiflanken nur annähernd aufgenommen. Das gleiche Meisterstück gelang dem Planer der Ringstraße, Martin Kink, auch bei der Hamerlinggasse, deren vorspringender Block die Landschaftsbastei zu imitieren versucht.
Das Areal des botanischen Gartens, das große Teile des Stadtgrabens bis zum „kleinen“ Glacis (der heutigen Radetzkystraße) umfasste, wurde zusammen mit dem schon 1883 abgebrochenen Neutor und den zwei Basteien an der Mur der Stadterweiterung geopfert. Der Wiener Baumeister Franz überbot 1887 das Angebot der Steiermärkischen Sparkasse, die diesen Stadtteil als Grünanlage erhalten wollte (und als Ersatz dafür später den Augarten erwarb).
Zum Schluss eine erfreuliche Feststellung: Von den insgesamt 11 Basteien der Stadtbefestigung sind vier in ihren Grundzügen noch heute erhalten (I, II, III, XI), an denen die wesentlichen Merkmale der Renaissance-Befestigung studiert werden können (einige Bilder zeigen interessante Details der alten Basteianlagen). Zwei weitere Basteien sind am Opernring in Neubauten nachempfunden. Dazu kommt je ein Stadttor aus dem Mittelalter und der Renaissance, wobei der Abbruch des Paulustors um 1860 verhindert wurde, weil hier das Artilleriekommando eingezogen war. Der Verlauf des Stadtgrabens und der Grabenmauer ist als Dammallee im Bereich des Stadtparks noch gut zu erkennen (grün in Bild 1, die Waffenplätze – Sammelpunkte der vordersten Linie – sind als Dreiecke angedeutet). Die Tiefe des Grabens kann bei der Flanke der „alten“ Burgbastei leicht abgeschätzt werden (Bild 10).
Für größere Städte ist das eine außergewöhnliche Situation, die auch ihren Beitrag zu der am 1. Dezember 1999 beschlossenen Ernennung von Graz zum „Weltkulturerbe“ geleistet hat. Wir müssen dieses Erbe weiter pflegen und noch besser zugänglich und sichtbar machen.
Viel Vergnügen beim Rundgang um die erhaltenen Abschnitte der Stadtbefestigung! Noch einmal: Interessante Stellen sind auf Bild 1 mit einem (*) gekennzeichnet.