17/07/2026

Mit Umbauhof. Ein Ort für die Wiederverwendung von Bauteilen gelingt asphalt / Kollektiv für Architektur eine bemerkenswerte und zeitgemäße Publikation, die weit über die Dokumentation der Ergebnisse einer mehrjährigen Recherche und erfolgreichen Intervention hinausreicht. Am Beispiel des Bauhofs wird überzeugend gezeigt, wie bestehende kommunale Infrastrukturen zu zentralen Akteuren einer zirkulären Baukultur werden können. Feldforschung, fotografische Dokumentation und Beiträge renommierter Autor:innen verbinden sich zu einer vielschichtigen Reflexion über Ressourcen, Wiederverwendung und den kulturellen Voraussetzungen der Bauwende. Das Buch macht deutlich, dass zirkuläres Bauen nicht allein eine technische oder ökologische Herausforderung ist, sondern vor Allem eine räumliche, soziale und gestalterische Aufgabe, die nicht nur in den Hauptstädten, sondern überall betrieben werden kann. 

17/07/2026

Fotografie von Clara Maria Fickl aus der Publikation Umbauhof. Ein Ort für die Wiederverwendung von Bauteilen, von asphalt/ Kollektiv für Architektur und Architekturraum Burgenland (Hg.), Birkhäuser, 2026

©: asphalt Kollektiv für Architektur

Cover Umbauhof. Ein Ort für die Wiederverwendung von Bauteilen, von asphalt/ Kollektiv für Architektur und Architekturraum Burgenland (Hg.), Birkhäuser, 2026

©: Birkhäuser Verlag

Blick in das Buch Umbauhof. Ein Ort für die Wiederverwendung von Bauteilen, von asphalt/ Kollektiv für Architektur und Architekturraum Burgenland (Hg.), Birkhäuser, 2026

©: Birkhäuser Verlag

„Es fehlte nicht an der Bereitschaft zur Wiederverwendung, sondern an der Vorstellungskraft, was aus den Dingen noch werden könnte. (...) Ebenso mangelte es an einer Infrastruktur, die Wiederverwendung als selbst verständlichen Bestandteil der Baukultur sichtbar und zugänglich macht.“ – asphalt / Kollektiv für Architektur

Den Ausgangspunkt des unlängst im Birkhäuser Verlag publizierten Buchs bildete ein vom Architekturraum Burgenland initiiertes Pilotprojekt im Rahmen der Architekturtage 2024. Unter dem Leitmotiv Geht's noch? Planen und Bauen für eine Gesellschaft im Umbruch entwickelte das Projektteam von asphalt rund um Marcella-Malin Brunner, Natascha Peinsipp, Maura Schmitt, Felix Steinhoff ein zugleich einfaches wie überzeugendes Konzept: den kommunalen Bauhof – eine ubiquitäre, im öffentlichen Bewusstsein jedoch kaum wahrgenommene Infrastruktur – temporär zum „Umbauhof“ zu transformieren. An zwei bewusst gewählten, kontrastierenden Standorten, dem großmaßstäblichen Bauhof in Eisenstadt und der kleinen Abfallsammelstelle in Strem, entstanden Pop-up-Umbauhöfe, in denen ausrangierte Bauteile vor ihrer Entsorgung gesichert, gereinigt, katalogisiert und für eine mögliche Wiederverwendung öffentlich präsentiert wurden. Gerade diese performative Umdeutung bestehender kommunaler Infrastrukturen macht das Potenzial des Projekts sichtbar: Der Bauhof erscheint nicht länger ausschließlich als Endpunkt materieller Stoffströme, sondern wird als Sammelort von Wertstoffen zum Ausgangspunkt einer ressourcenschonenden und zirkulären lokalen Baukultur.

Der besondere Wert des Buches liegt jedoch in der Vielstimmigkeit. Neben den Erkenntnissen des Forschungsprojekts, das durch stimmige, vieldeutige Fotografien von Clara Maria Fickl festgehalten wurde, versammeln sich Beiträge namhafter Personen aus Architektur, Materialforschung, Kunst, Denkmalpflege und Politik, die über den (Um)Bauhof aus unterschiedlichen Perspektiven philosophieren. Dadurch entsteht kein abgeschlossenes Handbuch, sondern ein offener Diskussionsraum, der die Komplexität zirkulären Bauens ebenso sichtbar macht wie dessen gestalterisches Potenzial. Die Verbindung aus wissenschaftlicher Annäherung, anschaulicher Praxis und programmatischer Offenheit macht die Publikation zu einem wichtigen Beitrag in der aktuellen Debatte um Ressourcenwende, Umbaukultur und Kreislaufwirtschaft im Bauwesen.

Hinweis: Die im Rahmen einer Lehrveranstaltung entstandene Ausstellung Stadtabdrücke – Landabläufe, zusammen mit circa, ist noch zwei Wochen bis Ende des Monats im HDA Graz zu sehen. Aufbauend auf dem Projekt Umbauhof, veranschaulicht die Ausstellung die atmosphärischen Qualitäten dieser wertvollen Infrastrukturen. Sie ergänzt die Publikation um eine räumlich-sinnliche Perspektive und macht die konzeptionellen Überlegungen des Umbauhofs unmittelbar erfahrbar.

 


Architektur Raumburgenland 
Der Architektur Raumburgenland ist Teil der Architekturstiftung Österreich, die seit 1996 als gemeinsame Plattform von den Architekturhäusern der Bundesländer, der Österreichischen Gesellschaft für Architektur (ÖGFA) und der Zentralvereinigung der Architekt:innen Österreichs gegründet wurde. Vom Neusiedler See bis zum Bodensee arbeiten die Architekturhäuser in jedem Bundesland an der Vermittlung regionaler Baukultur für die Menschen vor Ort. Fragen zur qualitätsvollen Gestaltung unseres Lebensraums zu thematisieren bzw. die für ihr Entstehen notwendigen gesellschaftlichen und rechtlichen Grundlagen aufzubereiten, daran arbeitet der 1993 auf Initiative einiger engagierter Architekt:innen gegründete, unabhängige Verein. Das Spektrum der Aktivitäten umfasst Ausstelungen, Vorträge, Diskussionen, Exkursionen und Architekturvisiten zur Architektur und Baukultur im Burgenland und den angrenzenden Regionen. Der Architektur Raumburgenland betreibt seit 2013 eine Architekturgalerie im Zentrum von Eisenstadt. Mitten in der Fußgängerzone der Landeshauptstadt stehen die Räumlichkeiten allen offen, die am baukulturellen Geschehen im Burgenland interessiert sind.

asphalt / Kollektiv für Architektur 
asphalt ist ein Architekturbüro, das in den Bereichen Forschung, Lehre und Baupraxis tätig ist. Es entdeckt Potenziale bestehender Räume und Strukturen und hinterfragt etablierte Dynamiken. Ein zentrales Anliegen ist es, die Widersprüche und die Komplexität der Gegenwart darzustellen und zu verräumlichen. asphalt begeistert sich für die Schaffung von Räumen, die den Anforderungen unserer Zeit entsprechen, und versteht Architektur als ein lebendiges, flexibles System, das Impulse für fortschreitende Veränderungen bietet. Mit seiner Arbeit setzt sich das Büro aktiv für einen Wandel in der Architektur- und Bauindustrie ein – hin zu einer sozial, wirtschaftlich und öko- logisch gerechten und nachhaltigen Praxis. Diese Prinzipien prägen auch die eigene Arbeitsweise. Das kollektive Entwickeln und der gemeinschaftliche Umgang mit Autorschaft spielen eine zentrale Rolle in der Praxis. 2024 erhielt asphalt den Förderungspreis der Stadt Wien für Architektur, derzeit

Umbauhof. Ein Ort für die Wiederverwendung von Bauteilen 
Herausgeber:innen
Architektur Raumburgenland
asphalt / Kollektiv für Architektur

Verlag
Birkhäuser

Autor:innen 
asphalt / Kollektiv für Architektur (Marcella-Malin Brunner, Natascha Peinsipp, Maura Schmitt, Simon Ruof, Felix Steinhoff) Elena Boerman & Dirk E. Hebel, Claudia Bosse, Hermann Czech, Dietrich Erben, Nikolaus Gartner, Marie Grützner, Georg Hofmann & Stefanie Roithmayr, Andrea Kessler, Philipp Kitzberger, Astrid Staufer

Grafikerin: Stella Rollny Kucher

ISBN-NUMMER: 978-3-0356-3122-7

168 Seiten, 06.2026 im Birkhäuser Verlag erschienen; Link

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