Die Lehrveranstaltung widmete sich einem bedeutenden, bislang jedoch nur teilweise systematisch aufgearbeiteten Kapitel der steirischen Architekturgeschichte. Bereits seit den 1960er Jahren wurden in der Steiermark Wohnbauprojekte entwickelt, die sich bewusst von standardisierten Formen des Wohnens absetzten und neue räumliche, soziale und organisatorische Konzepte erprobten. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie zukünftige Bewohner:innen nicht nur als Nutzer:innen, sondern als aktive Beteiligte in Planungs- und Entscheidungsprozesse eingebunden werden konnten. In den 1970er und 1980er Jahren verdichteten sich diese Ansätze im Umfeld des sogenannten Modell Steiermark, das dem sozialen Wohnbau in Österreich wesentliche Impulse verlieh und auch international Beachtung fand. Architektur wurde hier nicht allein als bauliche Form verstanden, sondern als Ausdruck gesellschaftlicher Veränderung, neuer Lebensmodelle und eines erweiterten Verständnisses von Mitbestimmung.
Heute zählt die Steiermark mehr als 70 partizipativ geplante und/oder realisierte Wohnbauten. Die Lehrveranstaltung nahm ausgewählte Beispiele in den Blick und untersuchte ihre architektonischen Qualitäten, ihre Entstehungskontexte sowie die Formen der Mitwirkung, die ihnen zugrunde lagen. Von Interesse waren dabei sowohl die konkreten räumlichen Lösungen als auch die Frage, wie sich Partizipation in Grundrissen, Erschließungen, gemeinschaftlichen Bereichen oder der Beziehung zwischen privatem und kollektivem Raum niederschlägt. Ebenso wurde betrachtet, unter welchen politischen, institutionellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen diese Projekte entstehen konnten und welche Akteur:innen daran beteiligt waren.
Grundlage der Arbeiten bildeten Projektbesuche, Archivmaterialien, eigene Fotografien und Interviews. Auf diese Weise entstanden Projektbeschreibungen, die historische, räumliche und gesellschaftliche Aspekte miteinander verbinden. Zugleich zeigen sie, dass viele der damals verhandelten Fragen – leistbares Wohnen, Gemeinschaft, Teilhabe und Umweltschutz – bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Die resultierenden Arbeiten machen ein prägendes, aber heute oft wenig bekanntes Feld der steirischen Wohnbaugeschichte sichtbar und tragen dazu bei, dieses architektonische Erbe erneut in die Diskussion zu bringen.
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Leitung der Lehrveranstaltung:
Andrea Jany am Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften, TU Graz
Studierende bzw. Verantwortliche für die Porträts:
Marin Čakarić, Terrassenhaussiedlung
Huriye Dere, Wohnanlage Ragnitz III
Fabio Egger, Energiesparhäuser Peterstalstrasse
Phil Eiberger, Reihenhausanlage Mariagrün
Christoph Hödl, Gartenstadt
Maximilian Huß-Galli, Eschensiedlung
Jovana Maksimović, Wohnalternative
Vanessa Meschgoj, Apfelbaumgarten
Antonius Michael, Wohnen im Steinbruch
Sebastian Rainer, Gerlitzgründe
Theresa Sackl-Gutruf, Wohnbau Wöllmißberg
Sára Anna Tóth, Cambium - Leben in Gemeinschaft
Anna Verbic, Reihenhausanlage Rosental
Partizipativer Wohnbau in der Steiermark
Sehr gut, dass sich junge Studierende damit auseinander setzen (schade dass dies im Augenblick in Österr. scheinbar nirgends möglich ist), schön wäre es, wenn weitere Beiträge hier veröffentlicht würden. Danke mal für den Beginn!