09/07/2026

Die Steiermark war ab Mitte der 1960er Jahre eine der wichtigsten Regionen Österreichs für partizipativen Wohnbau. Bis in die frühen 1990er Jahre entstanden hier zahlreiche Projekte, bei denen Bewohner:innen in Planungs- und Entscheidungsprozesse eingebunden wurden. Im Rahmen einer Lehrveranstaltung wurden diese Bauten recherchiert, besucht und in publikationsfähigen Projektporträts aufgearbeitet.

Im Zweiwochenrhythmus werden die einzelnen Porträts mit den erarbeiteten Unterlagen der Studierenden vorgestellt. 

09/07/2026

Wohnmodell Eisbach-Rein, Graz, Szyszkowitz-Kowalski, 1984–86

©: Andrea Singer

Die Lehrveranstaltung widmete sich einem bedeutenden, bislang jedoch nur teilweise systematisch aufgearbeiteten Kapitel der steirischen Architekturgeschichte. Bereits seit den 1960er Jahren wurden in der Steiermark Wohnbauprojekte entwickelt, die sich bewusst von standardisierten Formen des Wohnens absetzten und neue räumliche, soziale und organisatorische Konzepte erprobten. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie zukünftige Bewohner:innen nicht nur als Nutzer:innen, sondern als aktive Beteiligte in Planungs- und Entscheidungsprozesse eingebunden werden konnten. In den 1970er und 1980er Jahren verdichteten sich diese Ansätze im Umfeld des sogenannten Modell Steiermark, das dem sozialen Wohnbau in Österreich wesentliche Impulse verlieh und auch international Beachtung fand. Architektur wurde hier nicht allein als bauliche Form verstanden, sondern als Ausdruck gesellschaftlicher Veränderung, neuer Lebensmodelle und eines erweiterten Verständnisses von Mitbestimmung.

Heute zählt die Steiermark mehr als 70 partizipativ geplante und/oder realisierte Wohnbauten. Die Lehrveranstaltung nahm ausgewählte Beispiele in den Blick und untersuchte ihre architektonischen Qualitäten, ihre Entstehungskontexte sowie die Formen der Mitwirkung, die ihnen zugrunde lagen. Von Interesse waren dabei sowohl die konkreten räumlichen Lösungen als auch die Frage, wie sich Partizipation in Grundrissen, Erschließungen, gemeinschaftlichen Bereichen oder der Beziehung zwischen privatem und kollektivem Raum niederschlägt. Ebenso wurde betrachtet, unter welchen politischen, institutionellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen diese Projekte entstehen konnten und welche Akteur:innen daran beteiligt waren.

Grundlage der Arbeiten bildeten Projektbesuche, Archivmaterialien, eigene Fotografien und Interviews. Auf diese Weise entstanden Projektbeschreibungen, die historische, räumliche und gesellschaftliche Aspekte miteinander verbinden. Zugleich zeigen sie, dass viele der damals verhandelten Fragen – leistbares Wohnen, Gemeinschaft, Teilhabe und Umweltschutz – bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Die resultierenden Arbeiten machen ein prägendes, aber heute oft wenig bekanntes Feld der steirischen Wohnbaugeschichte sichtbar und tragen dazu bei, dieses architektonische Erbe erneut in die Diskussion zu bringen.

___________________

Leitung der Lehrveranstaltung: 

Andrea Jany am Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften, TU Graz

 

Studierende bzw. Verantwortliche für die Porträts:

Marin Čakarić, Terrassenhaussiedlung

Huriye Dere, Wohnanlage Ragnitz III

Fabio Egger, Energiesparhäuser Peterstalstrasse

Phil Eiberger, Reihenhausanlage Mariagrün

Christoph Hödl, Gartenstadt

Maximilian Huß-Galli, Eschensiedlung

Jovana Maksimović, Wohnalternative

Vanessa Meschgoj, Apfelbaumgarten

Antonius Michael, Wohnen im Steinbruch

Sebastian Rainer, Gerlitzgründe

Theresa Sackl-Gutruf, Wohnbau Wöllmißberg

Sára Anna Tóth, Cambium - Leben in Gemeinschaft

Anna Verbic, Reihenhausanlage Rosental

Sepp Szedonja

Sehr gut, dass sich junge Studierende damit auseinander setzen (schade dass dies im Augenblick in Österr. scheinbar nirgends möglich ist), schön wäre es, wenn weitere Beiträge hier veröffentlicht würden. Danke mal für den Beginn!

Do. 06/08/2026 19:04 Permalink
Hier geht's zum 
Nachrichtenarchiv 
und zum Kalender
 
 
Winter-
pause 
bis 7.1.2025
GAT