11/11/2025

„Ja zum 10-er, Nein zum Abriss“, mit diesem Slogan haben Architekturinitiativen und Bewohner:innen von Ternitz erfolgreich den Abriss des von Roland Rainer entworfenen Parkbads zumindest in Teilen verhindert. Die Genehmigung der Abrisspläne des Parkbads am 10.11. im Gemeinderat Ternitz schlug hohe Wellen. Jetzt konnte nach massiven Einwendungen trotz prinzipieller Abrissgenehmigung der Sprungturm als städtisches und tief im kollektiven Gedächtnis verankertes Wahrzeichen vorerst gerettet werden. Was mit dem Turm ohne ein passendes Becken passiert, ist momentan noch vage. 

11/11/2025

Alte Postkarte Freibad Ternitz, Quelle: Dorfmuseum Raglitz

Das Freibad mit Sprungturm nach Plänen von Roland Rainer war jahrzehntelang der Sommerhit in Ternitz. Mit den Jahren baute man an das einfache Parkbad mit Becken und Sprungturm aus dem Jahr 1959 Rutschen, Bahnen und Gehäuse an. Dennoch erhielten sich das Haupthaus mit Spinden, das Sprungbecken und der 10-m-Sprungturm original und damit ein Ensemble, das die Bescheidenheit und Funktionalität der Architektur der beginnenden Wirtschaftswunderzeit bis heute spürbar macht.

„Gemeinsam mit der Stadthalle Ternitz (NÖ) im Ortszentrum bildet das Parkbad im Stadtpark bis heute ein Rückgrat öffentlicher Räume im Kerngebiet von Ternitz“, schrieb die ÖGFA in einer Aussendung über den bevorstehenden Abriss von Becken und Turm. Und weiter: „1959-1963 nach Plänen von Roland Rainer errichtet, stellt dieser Komplex das Pendant in kleinem Maßstab und aufgelockerter Typologie zu Rainers Planungen für den Stadthallenkomplex in Wien, 1953–2000, dar. Rainer, einer der bedeutendsten österreichischen Architekten der Nachkriegsmoderne, hat in Ternitz ein kleines, einzigartiges Meisterwerk hinterlassen.“ Auch der Verein DOCOMOMO Austria urteilt über den Stellenwert des Bades eindeutig. Sprungturm und Sprungbecken des Parkbads seien „für die Stadt ein wichtiger Bestandteil der sozialen und sportlichen Infrastruktur und weit darüber hinaus ein architektonischer Zeuge ersten Ranges“.

Beide Vereine appellierten wiederholt und erfolgreich an die Gemeinde Ternitz, den vollständigen Abriss nicht zu genehmigen. Das Bundesdenkmalamt forderte man auf, „eine Notunterschutzstellung vorzunehmen“. Während dieses bei seiner bisherigen Argumentation blieb, das Ensemble sei bereits zu stark verändert, als dass es für Roland Rainers Werk repräsentativ sei, und keinen Denkmalschutz erhob, änderte der Gemeinderat sein Vorhaben. 

So wird der besonders bei den Schwimmerinnen und Schwimmern im Bad beliebte Sprungturm laut ORF-Artikel vom 11.11.2025 in seiner originalen Form erhalten und „künftig – und in Absprache mit Rainers Tochter – als architektonisches Denkmal an die Werke des Architekten erinnern und als Wahrzeichen der Stadt bestehen bleiben“. Vom 10-er springen wird man aber wohl nicht mehr können.

Befürworter des Erhalts konnten dazu beitragen, den Abbruch teilweise zu verhindern. Die Initiative zum Erhalt des Parkbads Ternitz wird unterstützt von: Az W – Architekturzentrum Wien, Bauten in Not, DOCOMOMO Austria, Initiative Denkmalschutz, ÖGFA - Österreichische Gesellschaft für Architektur, ORTE – Architekturnetzwerk Niederösterreich.

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GAT