Von der bis 1988 betriebenen Zuckerfabrik in Siegendorf ist unter anderem das Rohrzuckermagazin erhalten. Das mächtige Gebäude ist ein Stück Industriekultur und gleichzeitig eine Erinnerung an die enge Verschränkung von Landwirtschaft, Versorgung und wirtschaftlicher Entwicklung von Städten und Regionen.
„Im damals ungarischen Siegendorf begann die Zuckerproduktion ab 1853. 1988 legte sich ein letztes Mal der süßliche Geruch der Rüben-Kampagne über die Landschaft. Heute sind die gewaltigen Zentrifugen und Transportbänder längst abgebaut und das Areal mit denkmalgeschützten Gebäuden harrt seiner Zukunft.“
Die Künstlerin und Partnerin im Architekturbüro transparadiso, Barbara Holub, hat für die Räume des ehemaligen Rohzuckermagazins und das Fabrikareal eine pointierte Ausstellung kuratiert, deren Installationen und Werke von den Künstlerinnen und Künstlern lona Németh, Gabriele Sturm, Catrin Bolt, transparadiso, Isa Rosenberger, Paul Busk und Linda Luse stammen. Filme von Johannes Haider und Kolomann Watzek („Genesis einer Kunstfabrik“, 1995) sowie Günter Welz („Bittersüße Erinnerungen. Die Zuckerindustrie im Burgenland", 2015) werden ebenfalls gezeigt.
Individuell auf den Ort abgestimmt, beschäftigen sich die Werke mit Transformationsprozessen und deren Auswirkungen sowie mit der Fragestellung, wie Veränderungen sich in einen Ort einschreiben. Laut Ausstellungsbeschreibung werden stillgelegte Zuckerfabriken im heutigen Tschechien, der Slowakei und Ungarn (Ilona Németh) thematisiert sowie Kaffee-Plantagenarbeit in Uganda (Catrin Bolt), bis hin zu einer künstlerischen Recherche der Zuckerfabrik Siegendorf (Gabriele Sturm) und der Dokumentation der Transformation der Zuckerfabrik Enns in die „Kulturfabrik“ (Isa Rosenberger). Paul Busk schlägt ein großes Wandbild vor, Linda Luse transformiert einen Zuckerrübenhaufen und transparadiso bezieht sich auf „Abfallmaterialien“ der Zuckerproduktion.
Das Areal der Zuckerfabrik selbst hat dabei eine bewegte Geschichte. Vom wichtigen Produktionsstandort, Arbeitgeber der Region und Wohlstandsgaranten im ehemals ungarischen Siegendorf, kam mit der Übernahme durch Österreich und nachfolgend dem Anschluss an das nationalsozialistische Deutsche Reich die Zuckerproduktion zum Erliegen. Die Fabrik diente stattdessen zeitweise als Lager für Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Fabrik an die ehemaligen Besitzer zurück. Diese verkauften 1983 das Areal und den Betrieb und man fusionierte zur Tullner Zuckerfabrik Aktiengesellschaft. Keine fünf Jahre später, 1988, bedeutete das die Schließung der Produktion in Siegendorf. Heute wird das Gebäude nach langjährigem Leerstand als Gewerbezone Ost genutzt.
INFOS zur Finissage:
Sonntag, 28. Juni, um 14:00 Uhr
Um 15:00 Uhr findet ein Gespräch zwischen der Historikerin Susanna Steiger-Moser und der Künstlerin Gabriele Sturm statt, gefolgt von einer Führung durch das Areal.
Shuttle zur Finissage – Sonntag, 28. Juni
Wien → Siegendorf → Wien
Abfahrt Wien 13:00 (Karlsplatz)
Rückfahrt 17:00
Kostenbeteiligung für den Shuttle von 10,00 Euro (hin und retour). Der Betrag ist beim Einstieg in Wien bar zu bezahlen. Reservierung bitte unter office@kunstvereineisenstadt.at