Bereits seit 1992 zeichnet das Amt der Kärntner Landesregierung gemeinsam mit dem Architektur Haus Kärnten projektbezogen herausragende Leistungen im Bereich der Baukultur in Kärnten aus. Am 02. Juli 2026 wurden im Rahmen einer von DI Wojciech Czaja moderierten Festveranstaltung im Architektur Haus Kärnten ein Landesbaupreis, ein Sonderpreis und drei Anerkennungen verliehen. Diesjährig setzte sich die Jury zusammen aus: Architektin DIin Anja Innauer (NONA Architektinnen, Vorarlberg), Univ.-Prof.in Architektin DIin Franziska Ullmann (Wien), Architekt DI Ernst Beneder (ARGE Ernst Beneder, Anja Fischer Architekten, Wien), DIin Sabine Polesnig (Abt. 7 – Wirtschaftsstandort, Fachliche Raumordnung) und DI Philipp Urabl (Abt. 2 – Finanzen, Beteiligungen und FTI, Hochbau)
PREISTRÄGER
KÄRNTNER LANDESBAUPREIS 2026
Bildungscampus am Stadtpark – Volksschule 1/ Kindergarten und -tagesstätte, Villach
Architektur: balloon architekten ZT-OG
Bauherren: Stadt Villach
Jurybegründung:
Das Projekt ist weit mehr als die Renovierung eines historischen Schulgebäudes. Es ist mehr als eine der in vielen anderen Fällen vorgenommenen Funktionssanierungen. Es ist ein Lehrstück dafür, wie die Gesellschaft ihre Werte, ihre Tradition, ihre Erwartung an die Zukunft und die daraus entstehende Lebensfreude weiterzugeben vermag.
Die Richard-Wagner-Schule, ein Gründerzeitbau aus 1911, hat schon die unterschiedlichsten Schultypen beherbergt, zuletzt eine Abteilung der HTL Villach. Jetzt, nach dem Umbau, zeigt sie sich als zeitgemäßer Bildungscampus samt Volksschule und Kindergarten. In einem Hause sind so alle Stufen der Bildung vereint, und für alle öffnet es sich gro.zügig zu einer vorgelagerten Gartenfläche. Ein Areal, das zuvor als Parkplatz genutzt wurde. Über die schulische Funktion als „Pausenhof“ hinaus wirkt dieser Freiraum bis in den öffentlichen Raum der Stadt und gibt der Schule einen freundlichen und einladenden Auftritt.
Es ist die räumliche Vielfalt in den unterschiedlichsten Maßstäben, die sich in einer groß gedachten Struktur wiederfindet und Ordnung nicht als Schranke, sondern als Wegweisung andeutet. Im Konkreten wurden aus allen Verbindungswegen und Erschließungen Räume und Orte mit hoher Aufenthaltsqualität – Cluster, Leseorte, Nischen für und mit Ausblicken, Einblicken, Rückzügen und Beziehungen. Die über alle Ebenen wahrnehmbare Dreidimensionalität fügt den Schulbau zu einer ganzheitlichen Erlebniswelt, die niemals aufdringlich, doktrinär, oder bestimmend, sondern anregend und feinfühlig in Material-, Farb- und Formensprache dem Lernen und der pädagogischen Arbeit einen Ort bestmöglicher individueller und gesellschaftlicher Identifikation und Entfaltung bietet.
Topografisch entscheidend war die Transformation der ehemaligen Parkplatzfläche zu einem breit angelegten Vorfeld und die Öffnung des Untergeschosses (verbunden mit einer Niveauabsenkung) zu dem dort angelegten Garten, nicht zuletzt die Einbeziehung und Öffnung des Turnsaaltraktes in das Gesamtensemble. All dies erfolgte in einer Bausubstanz, die strengen Schutzbestimmungen der Denkmalpflege unterliegt. Jedoch einer Denkmalpflege, die sich als Ansporn zur Weiterentwicklung der grundlegenden pädagogischen und baukünstlerischen Idee versteht. Somit gelang neben dem Ausschöpfen des räumlichen Potentials auch eine Vielzahl feinsinniger Adaptierungen von Baudetails.
Die Restaurierung mit subtiler Farb- und Materialabstimmung, die Integration der Kunst, die Anpassung der technischen erforderlichen Details wie Geländer oder Absturzsicherungen ist mit Präzision und kreativem Erfindergeist erfolgt. Der Beitrag der denkmalpflegerischen Begleitung hat dies erst möglich gemacht, ebenso die Expertise der Tragwerksplanung in der Adaptierung wie auch der bauphysikalischen Ertüchtigung hinsichtlich der Dämmung der dafür geeigneten Komponenten.
Im gelungenen Resultat zeigt sich einmal mehr die hohe Qualität der soliden Bausubstanz im Bestand, wie diese weiterverwendet und weiterentwickelt werden kann. So beginnt das Lernen schon beim Betreten der Schule, um danach – zurück in der Stadt – Vieles zu erkennen, was zuvor der Aufmerksamkeit entgangen ist.
„BESTÄNDIGE ARCHITEKTUR- UND BAUQUALITÄT“ SONDERPREIS DES FACHBEIRATES FÜR BAUKULTUR 2026
Umbau des Stifts Viktring – Schule mit Bibliothek und ergänzenden Nutzungen, Viktring
Architektur: Gernot Kulterer
Bauherren: BIG – Bundesimmobilengesellschaft m.b.H.
Jurybegründung:
Heute ist der Umgang mit alter, wertvoller Bausubstanz bereits eine in vielen Fällen geübte Praxis. Die für künftige Nutzungen notwendigen Ergänzungen ohne Störung von räumlichen und gestalterischen Qualitäten in den Bestand einzufügen, gehört zu den wichtigsten und nachhaltigsten Aufgaben von PlanerInnen und BauherrInnen. Im konkret vorgeschlagenen Fall des Stiftes Viktring soll auch die erste Renovierungsphase für das im Jahre 1975 neu gegründete Musikgymnasium durch Architekt Karl Müller nicht unerwähnt bleiben. Doch gilt die Empfehlung des diesjährigen Sonderpreises der zweiten Bauphase, für die Architekt Gernot Kulterer mit großer Feinfühligkeit ein Gesamtkonzept entwickelte und mit außerordentlicher Qualität gemeinsam mit FachplanerInnen umsetzte.
Was vor mehr als 30 Jahren in Viktring entstanden ist, dient bis heute als Exempel der Revitalisierung eines historischen Gebäudes mit öffentlicher Nutzung. Im speziellen ist hierbei die bereits 1992 fertiggestellte Lösung für das neue Informations- und Medienzentrum mit seinem Bibliotheksturm hervorheben. Die dort vertikal eingefügte, fein proportionierte, rote Stahlkonstruktion mit ihren mit massivem Holz belegten Treppenläufen und Erschließungsstegen tritt in einen spannenden Dialog mit der roh belassenen Raumstruktur. Ähnlich verhält es sich bei dem 1998 finalisierten Umbau des Pferdestalles und Dreschbodens, der großartige Räume für die Werkerziehung schafft: wiederum konstruktiv mit Stahlrahmen ausgeführt, lenken diese den (Durch-)Blick durch Glasdecken und -wände bis zum historischen Gebälk, sodass letztlich der Raum in seiner Gesamtheit wahrgenommen wird.
Es sind diese gestalterischen „Operationen“ wie etwa die Kontrastierung des historischen Bestandes durch neu eingefügte Materialien bei zugleich einfach ablesbarer Konstruktion, welche eine bis heute unverändert wirksame Raumatmosphäre zwischen Alt und Neu ausmachen. Dass es sich um eine Ausbildungsstätte handelt, in der jungen Menschen en passant Raumerlebnisse und Architekturqualitäten vermittelt werden, ist neben den genannten Gründen ein zusätzlicher Benefit, weshalb der Fachbeirat für Baukultur sich für diese Vergabe des Sonderpreises im Jahr 2026 entschieden hat.
ANERKENNUNGEN ZUM KÄRNTNER LANDESBAUPREIS 2026
Bio-Urnen Friedhof „Paradies am Dom“, Klagenfurt
Architektur: ABEL und ABEL Architektur ZT GmbH
Bauherren: Dompfarre Klagenfurt, Dompfarrer Dr. Peter Allmaier
Wirt zu St. Peter, Rangersdorf
Architektur: Architekturbüro - Arch. DI. Reinhard Suntinger
Bauherren: Wirt zu St. Peter Projektentwicklungs OG
BELOBIGUNG KÄRNTNER LANDESBAUPREIS 2026
Kommunales Einsatzzentrum, Radenthein
Architektur: Scheiberlammer Architekten ZT GmbH
Bauherren: Gemeinde Radenthein
NOMINIERT ZUM KÄRNTNER LANDESBAUPREIS 2026
Hühnerställe Weberhans
Architektur: Hohengasser Wirnsberger Architekten ZT GmbH
Bauherr: Thomas Winkler, vulgo Weberhans
Mahringerhaus, Nötsch
Architektur: Hohengasser Wirnsberger Architekten ZT GmbH
Bauherr: Marktgemeinde Nötsch
JAHRESSTIPENDIUM FÜR ARCHITEKTUR 2027
Architektin Caterina Donata Revedin für das Forschungsvorhaben "Nach dem Einfamilienhaus? Über die Zukunft eines Wohnideals"