GAD Awards 2024
Städtebauprofessorin Aglaee Degros und Assistenzprofessorin Eva Schwab moderierten gemeinsam den dicht gepackten Abend im ebenso dicht gepackten Hörsaal 1 an der TU Graz. Nach kurzen Grußworten von M. Monsberger, Vizerektor für Infrastruktur und Nachhaltigkeit sowie vom St. Leonharder Bezirksvorsteher Andreas Nitsch im Auftrag der Grazer Bürgermeisterin folgten Impulsvorträge der Jurymitglieder. Deren eigene Arbeit und Positionierung verriet einiges über jene Kriterien, die in diesem Jahr bei der Bewertung der Arbeiten ausschlaggebend gewesen waren.
Den Beginn machte Julia Fröhlich, die 2021 mit Wolfgang Timmer das Architekturstudio konstruktiv gegründet hat und derzeit die Neugestaltung des Grazer Tummelplatzes samt seiner unmittelbaren Umgebung umsetzt: „Re-Design Tummelplatz“ löst das prägnante Design von Bramberger/Zinganel in eine sehr grüne Abfolge von Ruhe- und Bewegungszonen auf, die durch den Wechsel des Bodenbelages (Plattenbelag und Kopfsteinpflaster) charakterisiert sind. Staudenbeete (rain gardens) und zusätzliche Bäume, deren Wurzelraum durch das Schwammstadt-Prinzip gewährleistet werden soll, sollen für ein „gutes Klima“ an diesem vielen Funktionen genügenden Platz sorgen.
Architektin und Fotografin Anna Positano aus Genua sucht in “A Steady Diet of Critical Landscapes” die Gegenposition zur “schönen” Architekturfotografie. Sie versucht in ihren Forschungsarbeiten aufzuzeigen, wie die Kunst der Fotografie den Blick lenkt und erklären oder zu verschleiern vermag. Die vorgestellten Arbeiten thematisieren unterschiedliche, durch den Menschen geprägte Strukturen, Landschaften und Öko-Systeme, wie die Ponte Morandi, das 2018 aufgrund von mangelnder Wartung eingestürzte Polcevera-Viadukt oder Arboregia in Sardinien, Ende der 1920er-Jahre als „Villagio Mussolini“ aus dem Sumpfland gestampft.
Der belgische Architekt Philippe Viérin von noArchitecten zeigte anhand von drei Projekten verschiedene Ansätze seines Büros zum kreativen Umgang mit Bauen im Bestand. Keywords waren “Form follows fiction” (UniCampus in Hasselt in einem ehemaligen Gefängnis) „Build me History” in Het Steen/Antwerpen und schließlich „Keep the buildings within the shell“, was den derzeit noch in Planung befindlichen Umbau oder besser Ausbau einer Ghenter Glasstruktur in ein Museum beschreibt.
Danach begann der von vielen schon mit Ungeduld erwartete Höhepunkt des Abends: die Prämierung der Abschlussarbeiten.
Der Sachpreis in Form eines Berberteppichs, der als Ausdruck der besonderen Beziehung von Design und Handwerk verliehen wird, ging dieses Jahr an Felix Dokonal für das Projekt „(Mush) Rooms. Revitalisierung der Postgarage als Zentrum für Gries“. Zucht und Nutzung von Pilzen bilden in seinem Konzept die zentrale Funktion im neuen Konzept für den Hallenbau aus dem späten 19. Jh.
Den Nachhaltigkeitspreis, der innovative Beiträge zum ökologischen und energieeffizienten Bauen ehrt, konnte Carola Hilgert in Empfang nehmen. Die Arbeit „Die Flut als Chance. Entwicklung eines neuen Mobilitäts- und Freiraumkonzepts für die Stolberger Innenstadt“ wurde von der Jury als innovative Antwort auf die Klimakrise bewertet.
Der Wohnbaupreis würdigt kluge Konzepte des Zusammenlebens und zukunftsfähige Raummodelle der Wohnbaupreis, den Stefanie Obermayer für „Potenzial: Umbau; Zirkuläres Bauen und die Frage nach der Weiterentwicklung“ erhielt. Ihre Strategie bzw. Methode für den entwerferischen und planerischen Umgang mit Bestandsbauten aus den 1960er und 1970er-Jahren besteht in kleineren, ressourcenschonenden Umbauten.
Der Reisepreis ermöglicht jungen Architekt*innen Reisen zur Erfahrungs- und Wissenserweiterung oder die Recherche im Ausland – dieses Jahr darf sich Xhylferije Kryeziu
darüber freuen. Ihre Frage “Who are we building for?“ zeigt in einer kritischen Betrachtung die Probleme des ländlichen Kosovos auf, wo Dörfer aufgrund von starker Abwanderung langsam aussterben – bei gleichzeitig anhaltendem Bauboom: Ihre fundierte Analyse sei „A Journey Through Time and Space in Kosovo“, begründet die Jury ihre Entscheidung.
Den Preis für die beste Abschlussarbeit erhielt schließlich Sebastian Stubenrauch für „Grazer Wände“. Stadtspaziergänge weckten sein Interesse für Brandwände, die er auch als Zeitdokumente betrachtet. Aus deren Beobachtung und Analyse entwickelte sich die Idee zu einer schmalen Struktur, die auf oder besser in einen eigentlich „unmöglichen“ Bauplatz gesetzt wurde. Das perfekte, extrem detailreiche Modell ruft kindliches Entzücken in allen ehemaligen Puppenspiel - Fans hervor. Die Jury lobt zudem die Freude am Gestalten, die in dieser Arbeit ersichtlich wird.
Wer Genaueres über die prämierten Arbeiten und ihre Entstehung wissen möchte, sollte am 22.10.2024 ins HdA kommen, wo um 19:00 die frischgekürten GAD2024-Preisträger:innen Einblicke in ihre jeweiligen Arbeiten und deren Entstehungsprozesse geben werden.
Die Ausstellung mit allen Arbeiten im Foyer im UG der Technischen Universität ist ebenfalls noch bis 24.10.2024 zu sehen.