23/07/2026

Die Steiermark war ab Mitte der 1960er Jahre eine der wichtigsten Regionen Österreichs für partizipativen Wohnbau. Bis in die frühen 1990er Jahre entstanden hier zahlreiche Projekte, bei denen Bewohner:innen in Planungs- und Entscheidungsprozesse eingebunden wurden. Im Rahmen einer Lehrveranstaltung wurden diese Bauten recherchiert, besucht und in publikationsfähigen Projektporträts aufgearbeitet. Maximilan Huß-Galli besuchte hierfür die Eschensiedlung in Deutschlandsber von Eilfried Huth.

23/07/2026

Eilfried Huth, Eschensiedlung, Foto: 2025,

©: Maximilian Huß-Galli

Eilfried Huth, Eschensiedlung, Foto: 2025,

©: Maximilian Huß-Galli

„Wenn ich heute Lust hab zu tratschen, geh ich einfach eine Runde durch die Siedlung. Irgendwer ist immer im Garten und dann kann ich mich einfach ein bis eineinhalb Stunden durchtratschen.“ (Interview mit Bewohnerin Mag. Astrid Mellak, 24.11.2025)

Die Eschensiedlung ist ein partizipatives Vorzeigeprojekt von Eilfried Huth aus den 70er Jahren. Die Siedlung besteht aus farbenfrohen Reihenhäusern, die mit Hilfe der Bewohner:innen umgesetzt wurden. Jedes Haus sollte einer Jungfamilie Platz bieten. Eine wichtige Planungsvorgabe war die Erschließung mit Halbgeschoßen. Dies sollte eine bessere Ausnutzung der Fläche ermöglichen und führte auch zu einer charakteristischen Dachlandschaft. Mit ihren unterschiedlichen Höhen und Versätzen verleiht sie der Siedlung einen eigenständigen Ausdruck. 

Die Eigentümer:innen hatten viel Freiheit und Spaß in der Planung ihrer Grundrisse, was zu sehr unterschiedlichen Konzepten führte. Deshalb findet man in den früheren Bauabschnitten zum Beispiel auch Häuser für Großfamilien mit Atrien. Es wurde auch mit experimentellen Raumkonzepten und runden Wänden gearbeitet. Später wurden die Häuser jedoch einheitlicher und auch die Verspieltheit nahm ab. 

Im Gespräch mit einer Bewohnerin wurde klar, dass die Häuser nach wie vor gut angenommen werden. Die Möglichkeit, Treppenlifte zu installieren gibt auch älteren Personen die Chance, mit der halbstöckigen Erschließung zu leben. 

„Ohne die Zusage, dass wir einen Treppenlift nachträglich einbauen können, hätten wir das Haus nicht renoviert, sondern verkauft.“ (Interview mit Bewohnerin Mag. Astrid Mellak, 24.11.2025)

Das Thema Partizipation galt nicht nur in der Planungsphase, sondern auch im Leben in der Siedlung. Eine Bauhütte wurde als Zentrum umfunktioniert und diente der Gemeinschaft. Es gab in der Siedlung auch die Verpflichtung, dass Bewohner:innen einem Verein beitreten mussten. Dieser Zwang und ein undichtes Dach im Gemeinschaftszentrum wurden dem Partizipationsgedanken schließlich zum Hindernis. Die Gelder zur Sanierung des Zentrums konnten nicht aufgebracht werden und es musste trotz großer Bemühungen der Bewohner:innen rückgebaut werden. Im Laufe der Zeit wurde die Pflicht zum Vereinsbeitritt und später auch der Verein als Ganzes aufgelöst. Im Interview erwähnte eine Bewohnerin, dass sie bei Langeweile jedoch nach wie vor jederzeit eine Runde durch die Siedlung gehen kann und dort immer jemanden zum Tratschen findet.

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Steckbrief: 

Adresse
Eschensiedlung 1-100, 8530 Deutschlandsberg

Architekt
Eilfried Huth

Planungsbeginn
1972

Erstbezug
1973

Anzahl Wohneinheiten
100; in 6 Bauabschnitten

Wohntypologie
Reihenhäuser

Baumaßnahme
Neubau

Wohnrechtsform
Individualeigentum

Gemeinschaftsanlagen
Weiternutzung der Bauhütte

 

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Bibliograhie:
Huth, Eilfried: Beteiligung, Mitbestimmung im Wohnbau : Wohnmodell Deutschlandsberg Eschensiedlung, Graz, 1977

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Diese Projektdokumentation erscheint in der Reihe Partizipativer Wohnbau in der Steiermark seit 1965 (Projektleitung: Andrea Jany). Studierende dokumentieren steirische Wohnbauprojekte, in denen Mitbestimmung zum architektonischen Prinzip wurde. Im Zweiwochenrhythmus werden die einzelnen Portraits mit den erarbeiteten Unterlagen der Studierenden vorgestellt. Weitere Portraits lesen Sie >>> hier

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