Der Besuch auf dem Sommerfest der Architekturfakultät hat sich in jedem Fall gelohnt. Die neue Generation geht ihren eigenen Weg und präsentiert sich sympathisch selbstbewusst. Unkonventionelle Ansätze, von Klettverschlussfassade bis Seifenkistenrennen, wurden ebenso gezeigt wie eine fachliche Auseinandersetzung mit allgemein präsenten Themen wie Klimaanpassung, aktive Mobilität und Sanierungen. Die Institute nutzten den Tag, um Einblick in Forschungsprojekte und Publikationen zu ermöglichen, rückten aber die Arbeiten der Studierenden aller Studienstufen in den Mittelpunkt. Die Präsentationen von fünf der dreizehn Institute sollen kurz erwähnt werden.
In diesem Jahr konnten die Modelle der Studierenden am Institut für Raum und Gestalt nicht groß genug sein. Das Thema, an dem konstruktive und gestalterische Kompetenzen durch Prototypen trainiert wurde, war „Die Seifenkiste“. Die Ergebnisse mussten Tests bestehen, mussten sich im Rennen gegeneinander beweisen und sich einem großen Publikum öffentlichkeitswirksam präsentieren. Aus pragmatischen Gründen musste am 30.6. die sanfte Neigung des Universitätsparkplatzes herhalten. Der Eindruck, den das Rennen hinterließ, war allenfalls „nett“, fürs Fest passte es. Richtig zu empfehlen war die Ausstellung weiterer Arbeiten des Instituts sowohl in der Werkstätte als auch in den Institutsräumen. Deren progressive Titel und Fragestellungen provozieren den unkonventionellen Umgang mit klassischen Architekturaufgaben und begeistern damit für den eigenen Weg und die intensive Auseinandersetzung mit gleichfalls konstruktiven wie eher künstlerischen Herangehensweisen.
Das Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften fokussiert auf theoretische, diskursive und textliche Auseinandersetzungen. Wer jetzt denkt, dass Visualisierungen dabei keine Rolle spielen, wurde durch die Präsentation des Instituts eines Besseren belehrt. Sowohl die Fotoserien der Studierenden, die aktuelle Veränderungen im Grazer Stadtraum sichtbar machen, als auch die farbintensiven Collagen zum Selbstverständnis einer ganzen Szene, der Architekturszene mit ihren diversen Berufsbildern, lohnten eine genauere Betrachtung.
Urban Mining, Re-Use und Kreislaufwirtschaft sind nicht ganz neue Themen in der Architektur. Angesichts der planetaren Verantwortung, die auch Architekt*innen tragen, allerdings ein topaktuelles. Am Institut für Architekturtechnologie untersucht eine Arbeit die Transformation der Rösselmühle in Graz. Städtebaulich brisant, birgt das Areal enormes Potenzial für eine Aufwertung und Entspannung der sozial eher kritischen Situation im Grazer Stadtteil Gries. Dass man mit dem Abriss gleich auch ein zeithistorisch wertvolles Industriegebäude ausradiert, scheint Stadt und privaten Investoren wenig zu bedeuten. Könnte man daraus denn nicht den entscheidenden Mehrwert generieren, der das Projekt vor einer drohenden Beliebigkeit rettet? Vorschläge zur sozialverträglichen und städtisch ansprechenden Nutzung liegen mehrfach auf dem Tisch. Der Blick der Arbeit auf die Rösselmühle als Materialspeicher und urbane Ressource ist ein weiterer, diskussionswürdiger. Totalabriss, aber anders? Ein Weg zur Renaturierung und Vergrößerung des Oeverseeparks? Möglich, aber…
Mit inhaltlicher Tiefe und Intensität beeindruckte das Institut für Städtebau. Schon im Flur verlangsamte man das eigene Tempo und schritt von Zeichnung zu Zeichnung, von Text zu Text. Ausgesprochenen Spaß hat dann der Ausstellungsraum mit einem „tortenartigen“ 1,5 Meter hohen Modell in der Mitte gemacht: Die Stadt nicht nur als Oberfläche, sondern als bis in die tieferen Erdschichten gedachter Metabolismus, der durch viele Einzelaspekte angetrieben und erhalten wird. Die Komplexität menschlichen Lebens in der Stadt wurde locker auf den Punkt gebracht.
Atmosphärisch und audiovisuell wurde es am Institut für Architektur und Landschaft. Naturgeräusche erinnerten an das, was in normalen Seminarräumen meist fehlt, für unser Leben aber existenziell ist. Mit wandfüllender Beamerprojektion wurde man als Besucher*in in Visualisierungen und Visionen involviert. Eine kleine Diskussionsgruppe bildete sich vor meterlangen Plottfahnen, auf denen weitere Pläne und Projekte zu sehen waren.
Und dann gab es noch eine beeindruckende Sammlung aktuellere Masterarbeiten im Zeichensaal AZ4. Zeichensäle und Studierendeninitiativen wie raum*f und das institut vierzehn hatten Masterabsolventen eingeladen ihre Abschlussarbeiten auszustellen. Zu jeder dieser gehören Zeichnungen, Modelle und ein Buch. Meist jede einzelne für sich betrachtet auf professionellem Niveau, wird dieser gesamte Ausstellungsteil zur Brücke in die Praxis. Was wohl aus den Studierenden nach der Universität werden wird?
Die Zeit an dem einen halben Tag war knapp. Ein längeres Verweilen gerade bei der Vielschichtigkeit, Unterschiedlichkeit und Anzahl der ausgestellten Arbeiten hätten wir uns als Redaktion gewünscht. Das würde auch die Arbeit, die in den Präsentationen steckt, mehr würdigen. Das nächste Mal bitte mindestens schon vormittags eröffnen oder gleich das ganze Wochenende offen lassen. Anlass dafür gäbe es genug.