Vor nicht ganz acht Jahren stellte man per Open Call unter dem Titel YOSTAR – Young Styrian Architecture – drei Fragen an neu-gegründete Architekturbüros aus der Region der österreichischen und slowenischen Steiermark. Aus den Einsendungen kuratierten Petra Kickenweitz, Žiga Kreševič und Armin Stocker eine Ausstellung, die von Graz, nach Maribor, nach Berlin und Brüssel wanderte.
2026 wiederholen die Initiator:innen zusammen mit GAT-Redakteurin Claudia Gerhäusser und dem HDA das Prozedere und stellen diese Fragen wieder in den Raum. Auch dieses Mal wurden in einem Open Call neu-gegründete Architekturbüros danach gefragt, welche vernakuläre Architektur sie inspiriert, welche Architektur anderer Architektinnen und Architekten sie prägt und welches eigene Projekt ihre Haltung und Arbeitsweise am besten veranschaulicht. Ein Kuratorium aus Vertreter:innen unterschiedlicher Institutionen empfahl 35 Büros zur Publikation.
Das Ergebnis 2026 – eine Sonderausgabe der renommierten österreichischen Architekturzeitschrift architektur.aktuell – stellt nicht nur die Büros mit ihren Haltungen und realisierten Projekten vor, sondern auch internationale Statements zur Lage der ländlich geprägten Region. Interviews bezüglich einer veränderten Architekturproduktion ergänzen das Material. So lautet beispielsweise Dietmar Feichtingers Botschaft im Heft: „Wir sind noch immer Generalisten“, während junge Ziviltechniker:innen gemeinsam über Digitalisierung und Vernetzung sprechen.
Seit YOSTAR Runde 1 hat sich der Kontext spürbar verschoben. Die Rahmenbedingungen haben sich verändert, und auch die Haltung gegenüber Architektur und Baukultur in Europa ist in Bewegung geraten. Mit dem von Ursula von der Leyen 2019 initiierten European Green Deal ist die Transformation des Bauens politisch klar formuliert: Europa soll bis 2050 klimaneutral werden. Österreich zieht dieses Ziel sogar auf 2040 vor, während Slowenien den europäischen Zeitrahmen übernimmt. Programme wie das New European Bauhaus verknüpfen diese Ambitionen mit Fragen nach gesellschaftlicher Innovation, Ästhetik und Inklusion gleichermaßen.
Vor diesem Hintergrund rückt eine Erkenntnis zunehmend ins Zentrum: "Europa ist bebaut." Ein Satz, so einfach wie unbequem. Er stellt eine Disziplin infrage, die sich über Jahrzehnte über das Neue definiert hat. Wachstum, Expansion, Sichtbarkeit waren die Parameter. Die Aufgabe verschiebt sich damit unmissverständlich hin zum Bestand, zu Transformation und Sanierung. Heute gilt: Bestand statt Neubau, Reparatur statt Produktion, Transformation statt Tabula rasa. Genau hier setzen die Projekte der jüngsten Architekt:innengeneration an, die im Magazin versammelt sind. Sie machen den Wandel nicht nur sichtbar, sondern konkret.
Was 2019 noch bei der Ausstellung in Brüssel als Idee im Raum stand, bekommt 2026 eine zweite Auflage und einen neuen überregionalen Fokus. Das Austrian Cultural Forum New York gilt nicht nur als attraktiver Ausstellungsort, sondern auch als architektonisches Statement des österreichisch-amerikanischen Architekten Raimund Abraham und eignet sich ausgezeichnet dafür, die Arbeiten aus der Steiermark international stärker sichtbar zu machen. Mit der Teilnahme an einer Panel-Diskussion am 21. Mai 2026 im ACFNY setzt NEW YOSTAR um, was durch die Pandemie fast ausgebremst wurde: den Weg einer regionalen Szene auf die internationale Bühne. Das zeigt, dass auch NEW YOSTAR eine Initiative ist – kein Projekt, kein abgeschlossenes Format. Da gibt es die drei Bilder, drei Fragen – ergänzt durch ein Porträt und ein kurzes Statement. Keine ausufernden Projektberichte, keine klassische Dokumentation. Im Fokus stehen keine Gebäude, sondern die Haltung der Architekt:innen dahinter. Ein Format, das weniger erklärt – und dafür umso präziser auf den Punkt kommt, da es Spielräume für eigene Betrachtung öffnet.