08/01/2026

Im musa, Wien Museum für Gegenwartskunst, ist bis Mitte Mai 2026 die Mid-Career Ausstellung Arbeiten im Öffentlichen Raum von Leopold Kessler zu sehen. Leopold Kesslers Arbeiten verwenden die Mittel von Bildhauerei und Interventionen im öffentlichen Raum, um gesellschaftliche Verhältnisse zu reflektieren.

08/01/2026
©: Wien Museum MUSA

Die Spannung zwischen Privatem und Öffentlichem und Privatisierung in einem neoliberalen Kontext, die gemeinschaftliche Strukturen aushöhlt, sind häufig Zielscheiben Leopold Kesslers früher Arbeiten. Auch er „privatisiert“ in einer ähnlichen Manier öffentlichen Raum. 

Eine Arbeit aus 2003 nennt sich Privatised. Es ist eine Intervention in Paris, für die er Straßenlampen an Fernbedienungen anschloss und zum Verkauf anbot. Viele seiner Arbeiten sind „nicht autorisierte Interventionen“, Eingriffe in vorhandene Infrastrukturen, oder vor allem auch in „nicht geschützte Infrastruktur“. Er renoviert sie, privatisiert sie, oder nutzt sie um. Es ist eine Verhandlung dessen, wem der öffentliche Raum gehört, wofür er verwendet wird und wie ideologische Verschiebungen seiner Nutzung verlaufen. Auch Lebensrealitäten spiegeln sich in der Nutzung des öffentlichen Raums, jenseits von dem, wie sich eine Gesellschaft in dieser Hinsicht selbst repräsentiert oder repräsentieren möchte. Kessler inszeniert diese in den künstlerischen Interventionen. 
Ein Beispiel ist Hammoc Synchronisation von 2023. Hängematten in einem Park werden miteinander verbunden, sodass darauf sich ausruhende Personen miteinander interagieren. Kessler versteht dieses Werk als Eingriff in die Realität von Arbeit und Ausruhen, der Pflicht, ausgeruht zur Arbeit zu kommen, und sozialer Interaktion, Austausch, Netzwerk. 
Für die Arbeit Rekonstruktion von 2018 wird ein Bankomat an einer Häuserwand mit einer Verdeckung versehen und das Graffiti der umliegenden Wand in der exakten Farbe darauf fortgeführt. Den Bankomaten lässt Kessler somit verschwinden und löst Irritation bei den Personen aus, die hier täglich vorbeikommen und ihn benutzen.

Die Ausstellung im musa kulminiert im Automat Sospeso von 2024, der vor dem Eingang zu den Ausstellungsräumen steht. Kaffee Sospeso ist eine Tradition aus Italien, bei der man beim Kauf eines Kaffees einen oder mehrere weitere spendieren kann. Der Automat experimentiert damit, ob das Konzept auch ohne persönlichen Kontakt funktioniert.

Kesslers Arbeiten sind Kommentare zum Phänomen eines Sozialdarwinismus und seinen Spuren und Anklängen, bei dem – etwa wenn Prinzipien von Gewinnmaximierung oder neoliberale Normen sehr erstarken – sich Gesellschaften spalten bzw. sich der Stärkere und reine Wettbewerbslogiken durchsetzen. Zugleich untersuchen die Arbeiten sozialen Zusammenhalt, der dem entgegenwirkt.

Ausstellungszeitraum: bis 17.5.2026 verlängert
Künstler: Leopold Kessler 
Kurator: Vincent Weisl
Ausstellungsgestaltung: Franz Kapfer, grafisches Büro

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GAT